Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1268194
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Buch. 
Die 
ihrenaissance. 
Throne knieen die Heiligen Dominicus und Franziskus, jeder zwei in 
winziger Kleinheit dargestellte, ebenfalls knieende Mitglieder der Brüder- 
schaft empfehlend. In allen diesen Gestalten ist viel Befangenes, 
namentlich die Gewänder leiden an einem steifen und kleinlichen Falten- 
wurf; dennoch rühren der Ernst und die Innigkeit des Ausdrucks, und 
die mannigfaltige Charakteristik der Köpfe spricht von einer tüchtigen 
Aufnahme tlorentinischer Kunstrichtung. Was aber dem Werke trotz 
unleugbarer Mängel einen selbständigen Werth verleiht, ist der Hauch 
poetischer Empfindung, welcher die ganze Composition durchdringt. 
Neben dem Thron ziehen sich niedre Marmorbrüstungen hin, welche 
Wiederum von einer zweiten, höheren Schranke eingefasst werden. 
Hinter diesen beiden Ümfassungen hat der Künstler, wie in den Chor 
einer Kirche, eine ganze Schaar herziger Engelknaben vertheilt, die 
mit grösstem Eifer aus Leibeskräften Gesänge zu Ehren der Madonna 
anstimmen. Zwei ganz kleine, offenbar in der musikalischen Ausbil- 
dung noch nicht so weit vorgeschrittene, schauen wenigstens neugierig 
über die Balustrade herein. Auch an diesen Engelgestalten ist, wenn 
man namentlich die sehr langen Hälse beachtet, in der Zeichnung 
Manches auszusetzen, aber es ist ein solcher Ausdruck holden unschul- 
digen Kinderjubels in ihnen, dass man die Mangel bald vergisst. Der 
Einfluss Benozzds, der in diesen Gegenden tbätig war, ist unverkenn- 
bar, wie denn auch die klare, warme und gesättigte Tempera an ihn 
und Fra Filippo erinnert. Ein üppiger Rosengarten umgiebt das 
Ganze und eine dichte "Pergola mit Laubgewinden dient der festlichen 
Versammlung als Baldachin. Es giebt wenig Bilder der Zeit, die einen 
solchen Eindruck sinniger Poesie machen. In der Predella sieht man 
die Gefangennehgmung, die Kreuztragung und die Kreuzigung Christi, 
daneben Petrus Martyr und Thomas von Aquino. Das Bild tragt die 
Jahrzahl 1447 und die Bezeichnung: „Opus Johannis Bochatis de 
Chamerenoa. 
Ungleich bedeutender allerdings ist ein etwas jüngerer Künstler, 
der zu den einiiussreichsten Vertretern dieser Gruppe gehört: Piero 
della Francesca, eigentlich Pietro di Benedetto degli Franceschi. Um 
1423 wurde er in Borgo S. Sepolcro, einer kleinen Stadt im oberen 
Tiberthal an den weinbedeckten südwestlichen Abhängen der um- 
brisehen Apennineidkette geboren. Wo er seine erste künstlerische 
Erziehung erhalten hat, wissen wir nicht; aber mit sechzehn Jahren 
iinden wir ihn in Florenz bei Domenico Veneziano, dem er bei dessen 
Arbeiten in Sta. Maria nuova als Lehrling zur Hand ging. Ohne
        

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