Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1268061
Kapitel. 
Siena. 
Schule von 
Die 
379 
Altarwerke, mit welchen Pius II. in seinen Prachtbauten zu Pienza, 
sich begnügte. Dies Zurückbleiben der Malerei fast durch ein ganzes 
Jahrhundert mag zunächst durch die engherzige Gesinnung verschuldet 
worden sein, in Welcher sich die Malerzunft Sienafs von der Welt 
abzusperren suchte. Fremden Malern, die sich dort aufhalten wollten, 
wurde eine so hohe Steuer auferlegt, dass dieselbe einer Ausschliessung 
gleich kam. Während in Florenz der freie Luftzug eines grossen 
Lebens Waltete und jeder Kraft der Platz zu freudiger Entfaltung 
geöffnet War, so dass aus dem vielseitigen Wetteifer und Ringen be- 
deutender Geister die unvergleichliche Blüthe einer neuen Kunst her- 
verging, bewegte man sich in Siena in ängstlichem Anklammern an 
alte Satzungen und Traditionen unverdrossen im Kreise. Dass die 
Malerei am meisten unter dieser Ausschliessung litt, wu1'de durch ihre 
eigenthümliche Stellung zu den religiösen Aufgaben bedingt. Das 
weiche, passive Gemüthsleben, dem sie sich hier von jeher hingegeben 
hatte, liess sie mehr als die Schwesterkünste zu einer contemplativen 
Erstarrung gelangen, welche durch die einzelnen Züge eines neuen, 
naturalistischen Lebens eher verwirrt, als erhoben wurde. Am deut- 
lichsten erkennt man diese Schranken in der monumentalen Kunst. 
Zwar werden auch in Siena Wandgemälde zur Genüge ausgeführt, 
aber es fehlt dieser Freskomalerei der freie grosse Zug der Geschichte, 
sie verharrt ebenfalls bei den Ueberlieferungen der früheren Epoche. 
Noch am Ende dieses Zeitraums, als Francesco Piccolomini die Libreria 
des Doms zu Siena erbauen liess, fand er keinen einheimischen Maler 
genügend für die Ausschmückung des Raumes und berief daher Pin- 
turicchio. Diese Thatsache bezeichnet hinreichend den Zustand der 
sienesischen Malerei. 
Den Üebergang aus der gothischen Epoche bildet Stefomo 0h" 
Giovrmni, genannt Sassetta, der zuerst 1428 in der Malerrolle erscheint. 
Seine herb alterthümliche Weise erkennt man an dem Bilde eines 
gekreuzigten Christus in der Akademie und an einem ähnlichen in 
den Servi, in der zweiten Nebenkapelle links vom Chor: ein strenges 
Werk von bedeutendem Gepräge, mit grünlich-grauen Sehattentönen, 
noch im Charakter der gothischen Epoche. Ungemein leidenschaft- 
licher Ausdruck, mächtige Bewegung und tiefe Empfindung herrschen 
in einer verwandten Darstellung im Louvre Nr. 212. Besonders er- 
greifend die Gestalt der Magdalena, welche die ohnmächtige Maria in 
ihren Armen arlffängt und doch den schmerzvollen Blick vom Gekreu- 
zigten nicht abwenden kann. An der Porta Romane. zu Siena malte
        

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