Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1268034
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Buch. 
Die Frührenaissance. 
umgeben, in der Predella die Anbetung der Könige zwischen vier 
andern legendarischen Scenen. In der späteren Zeit tritt der floren- 
tinische Schulcharakter in seinen Arbeiten stärker hervor. Das Haupt- 
werk dieser Art ist eine grosse Altartafel der thronenden Madonna mit 
vier Heiligen im Museum zu Berlin Nr. 87. Hier offenbart sich eine 
so nahe Verwandtschaft mit Filippino Lippi, namentlich mit dessen 
Altarbild in der Badia, dass man die unmittelbare Beziehung zu jenem 
Meister sofort erkennt. Auch die technische Ausführung in klarer 
Tempera entspricht diesem Verhältniss; nur in der Landschaft bleibt 
er Weit hinter seinem Vorbilde zurück. Noch schöner ist ebendort eine 
gleichfalls in Tempera ausgeführte thronende Madonna mit Heiligen 
(Nr. 98), die durch die weiche Anmuth der milden etwas wehmüthigen 
Köpfe und durch die feine Modellirung sich auszeichnet. Dagegen ist 
ebendort das kleinere Rundbild der Madonna, Welche mit dem auf 
ihrem Arme eingeschlummerten Kinde vor einer steinernen Brüstung 
steht (Nr. 9D), auffallend bunt in der Farbe, erfreut aber durch die 
schöne Landschaft und durch die köstliche Unschuld des schlafenden 
Kindes. Zwei Engel mit einer Lyra und einer Rohrflöte haben offen- 
bar den Kleinen in Schlaf gespielt. Ein treffliches Altarwerk ist auch 
die Krönung der Madonna im Louvre (Nr. 200) aus der Kirche der 
Salvi, noch etwas alterthümlich streng im Ausdruck, mit grossartigen 
Köpfen, edler Gruppirung, in der Farbe kräftig, frisch und tief. Eine 
Auferstehung Christi aus Monte Oliveto, jetzt in der Akademie zu 
Florenz (Saal der grossen Gemälde Nr. 67), ist ebenfalls hart und 
alterthümlich befangen, obwohl nicht ohne dramatischen Nerv. Den- 
selben Gegenstand schildert ein Bild des Museums zu Berlin Nr. 75, 
dort mit Unrecht dem Domenico Ghirlandajo zugeschrieben", für den 
es zu bunt und unruhig ist, während es dagegen mit manchen Bildern 
Raffaellinds übereinstimmt. Die sehr ausgeführte Landschaft hat etwas 
Phantastisches. Endlich besitzt die kleine Kirche S. Martino zu Flo- 
renz einen Freskencyclus mit Scenen aus dem Leben des h. Martin, 
die wiederum ein genaues Anschliessen an Filippino Lippi bezeugen. 
Der Künstler scheint gegen Ende seines Lebens in Noth gerathen 
zu sein, da er offenbar mit seiner zurückgebliebenen Kunst den Anfor- 
derungen der fortgeschrittenen Zeit nicht mehr zu genügen vermochte. 
Er starb 1524 und erhielt durch die Mildthätigkeit der Bruderschaft 
della Misericordia ein Begräbniss in der kleinen Kirche S. Simone.
        

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