Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1268019
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Buch. 
Die Frührenaissance. 
seine Werke, die nicht die strengste kirchliche Kritik passiren konnten, 
geopfert haben. Dennoch verharrte sein milder Sinn unausgesetzt bei 
der Ausübung der Kunst, die er aber fast nur für religiöse Zwecke 
verwendete. In seiner Vaterstadt gehörte er mit Recht zu den ange- 
sehensten Künstlern und wurde bei allen bedeutenden Unternehmungen, 
beim Facadenbau des Doms, bei der Wiederherstellung der Laterne 
der Kuppel, bei Aufstellung von Michelangelds David zugezogen. Er 
lebte bis tief in's sechzehnte Jahrhundert, und als er im Anfang des 
Jahres 1537 hochbetagt starb und mit ihm der letzte Nachklang der 
Kunst des 15. Jahrhunderts verhallte, war längst eine jüngere, Gene- 
ration aufgetreten, die der Malerei ein neues Leben und eine kaum 
geahnte Vollendung brachte. 
Ein Zeitgenosse Lorenzo's war Piezo di Cosrimo, geb. 1462, der 
Sohn eines Goldschmieds Lorenzo, aber nach seinem Lehrer und Pflege- 
vater Cosimo Rosselli zubenannt. Bei diesem erlernte er die Kunst 
der Malerei und begleitete ihn nach Rom, wo er bei den Wandgemälden 
seines Meisters in der Sixtinischen Kapelle bei Ausführung der Bildnisse 
und Landschaften verwendet wurde. In der Stellung eines Gehülfen 
blieb er bei Rosselli bis zu dessen Tode imdahre 1506. Von ihm 
besitzt die Galerie der Üffizien unter Nr. 1250 ein Tafelbild der 
knieenden Madonna, über welcher die Taube des heiligen Geistes 
schwebt, daneben als Zuschauer Johannes der Evangelist, Philippus, 
Antonius und Petrus und die knieenden Heiligen Katharina und Mar- 
garetha, ein Bild von tüchtigem architektonischem Aufbau, von gelblich 
warmem, aber etwas disharmonischem Kolorit und von eigenthümlich 
individueller Form der Köpfe. Die etwas derb gezeichneten Figuren 
stehen in einer fleissig ausgeführten Landschaft, die den Einlluss des 
Lorenzo di Credi verräth. An diesen erinnert auch die Technik, welche 
bei Piero fast ausschliesslich die der Oelmalerci ist. Eine andre thronende 
Madonna mit Heiligen und von Engeln umgeben, in der Sakristei der 
Innocenti, vielleicht sein tüchtigstes Altarbild, lässt eine Anlehnung 
an Filippino Lippi erkennen. Das Museum zu Berlin besitzt unter 
Nr. 93 ein kleines Bild, welches die Begegnung Christi und Johannes 
des Täufers als Knaben in einer interessanten phantastischen Felsen- 
landschaft schildert. Es hat einen kräftigen Farbenton. Weniger 
anziehend ist ein Gemälde des Louvre, Welches die Krönung Maria 
darstellt. Doch fehlt es nicht an ansprechenden Einzelheiten, und im 
Kolorit erkennt man Einflüsse des Andrea del Sarto. 
Piero gehört zu jenen Künstlern, welche mit besonderer Vorliebe
        

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