Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267970
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Buch. 
Die Frührenaissance. 
keit der Erfindung, doch durch Wahrheit des Gefühls und Treuherzig- 
keit des Ausdrucks zu adeln. Manche seiner Motive und Gestalten 
erinnern an die religiöse Innigkeit Peruginds, und einzelne Köpfe in 
seinen früheren Bildern haben etwas von der strahlenden Jugendherr- 
liehkeit der Werke Lionardds, dessen Madonnentypus der ersten Epoche 
sich manchmal bei Lorenzo wiederiindet. Im Uebrigen steht er auf 
der Basis dessen, was Fra Filippo zuerst für die freiere Umgestaltung 
des Andachtsbildes geschaffen hat; namentlich schildert er gern nach 
dem Vorgange jenes Meisters die Geburt Christi so, dass das Neu- 
geborne am Boden liegt, das Händchen nach Kinderart an den Mund 
druckend, von der Mutter sowie von den Hirten verehrt. Seine Christus- 
kinder gehören zu den anmuthigsten derartigen Schöpfungen der Zeit, 
obwohl sie durch die sehr derben Formen und den gar zu kurzen 
Hals auffallen. 
Ein Hauptbeispiel dieser Art ist die ligurenreiche Anbetung der 
Hirten in der Akademie zu Florenz (Galerie der grossen Gemälde 
Nr. 51), ursprünglich für das Nonnenkloster der h. Clara gemalt. Es 
wird durch besondere Schönheit und Innigkeit der Gestalten und durch 
eine nicht ganz mühelos erreichte Symmetrie der Anordnung, beson- 
ders aber durch die emailartige Lasur des Farbenauftrags, den feinen 
Piirsichduft der Fleischtöne als ein Jugendwerk bezeichnet. Das am 
Boden liegende Christuskind bildet die Mitte der Gruppe, von der 
Madonna verehrt, welcher gegenüber ein ebenfalls knieender Hirt an- 
gebracht ist. Die Madonna wird von zwei knieenden und zwei hinter 
ihr stehenden Engeln wie von einem himmlischen Hofstaat umgeben. 
Daneben steht vorn, auf seinen Stab gestützt und in sich versunken, 
der h. Joseph, eine an Peruginds Gestalten erinnernde Figur; ihm 
gegenüber auf der andern Seite ein anmuthiger jugendlicher Hirt, der 
ein Lamm auf den Armen halt. Er blickt ziemlich ausdruckslos, ohne 
irgend an dem Vorgang Theilnahme zu zeigen, aus dem Bilde heraus 
und verrath sich als blosse Füllligur, der nichts anderes obliegt, als 
die Symmetrie herzustellen. Der andere Hirt hinter ihm breitet vor 
Verwunderung die Hände aus, ein ebenfalls ziemlich verbrauchtes Motiv. 
Am meisten Innigkeit verrath der alte Hirt, welcher mit gefalteten 
Händen das Kind anbetet. Auffallend-sind schon hier bei der Madonna 
und den übrigen Figuren die sehr schweren, feisten Hände mit den 
dicken Handgelenken; ihr Kopf zeigt ebenfalls etwas breite Formen, 
verräth aber in der Reinheit der Empfindung und der idealen Anmuth 
der Züge gleich den Köpfen der Engel und des jungen Hirten Ein-
        

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