Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267963
Kapitel. 
florentiner Schule. 
Zweite 
Generation. 
369 
Thätigkeit hervor, welche den Sinn für Sorgfalt und Genauigkeit 
der Ausführung, für Feinheit der Zeichnung und Modellirung und 
für zierliche Ornamentik zu wecken geeignet war. Er kam dann in 
die Werkstatt des Verrocchio, wo er sich mit Perugino und Lional-do 
da Vinci begegnete, von denen er ebenfalls bestimmende Einflüsse 
empfing. Wir erfahren durch die Vermögensangabe seiner Mutter vom 
Jahre 1480, dass er damals als Gehülfe im Malen bei dem viel- 
beschäftigten Meister angestellt War und dafür das bescheidene Jahr- 
geld von zwölf Gulden empfing. Sein persönliches Verhaltniss zu 
Verrocchio ,muss ein überaus herzliches gewesen sein, denn als dieser 
1488 zum Sterben kam, ernannte er den Lorenzo zu seinem Testa- 
mentsvollstrecker und vermachte ihm nicht bloss die Vorräthe der Werk- 
statt an Metall und Steinen sowie seinen Hausrath in Venedig und 
Florenz, sondern empfahl ihn auch zu seinem Nachfolger bei der Aus- 
führung des Colleoni-Denkmals- 
In Lorenz0's künstlerischen Schöpfungen begegnet uns derselbe 
treue Sinn, die gewissenhafte Sorgfalt, die Wärme des Empiindens, 
welche wir auch in seinem übrigen Verhalten antreffen. Sahen wir 
bei Filippino Lippi eine kühne, leidenschaftliche Bravour, Welche ihn 
bald über die Grenzen hinausriss und dem Manierismus in die Arme 
trieb, so ist Lorenzo recht im Gegensatz dazu ein Künstler, der mit 
fast pedantischer Sorgfalt nach solider Durchbildung und Vollendung 
strebt, und dieser Tendenz bis zum letzten Augenblick seines Lebens 
treu bleibt. Desshalb ist er ausschliesslich Tafelmaler und zwar gehört 
er zu den ersten, welche dasOel als Bindemittel verwenden und durch 
vollendete Zartheit, duftigen Schmelz, emailartigen Fluss eine kaum 
zu übertreifende Harmonie und Farbenschönheit erreichen. Ohne 
Zweifel hat Lionardo durch seine Studien auf ihn eingewirkt und ihn 
die zarte Abstufung der Luftperspektive gelehrt, welche den landschaft- 
lichen Gründen seiner Bilder einen hochpoetischen Reiz verleiht. Vasari 
berichtet, Lorenzo sei in der technischen Ausführung mit unglaublicher 
Sorgfalt verfahren, habe die Farben selbst gerieben, das Nussöl ge- 
reinigt und destillirt und eine grosse Zahl von Farbenmischungen, bis- 
weilen bis gegen dreissig, auf der Palette gehabt, zu deren jeder er 
sich einen besondren Pinsel gehalten habe, um seinen Werken die 
höchste Reinheit, Klarheit und Vollendung zu geben. Dieser Lauter- 
keit der Technik entspricht die Reinheit der Empfindung, denn fast 
ausnahmslos bewegt er sich im Gebiete des Andachtsbildes und weiss 
diesen engen Kreis, zwar ohne besondere Genialität oder Selbständig- 
Lübke, Italien. Malerei. I.  24
        

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