Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267931
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Buch. 
Die Frührenaissance. 
Ausladungen der Gesimse und ihrer phantastischen Fackelträger auf 
dem Bilde der Drusiana darf man Filippino Wohl den Vater des Barock- 
stils nennen, Wegen der fahrigen manierirten Gewänder, Kostüme und 
Gesichtsbildungen den Vorboten des Zopfs in der Malerei. Dennoch 
fehlt es auch hier nicht an Zügen echter Empfindung und hoher dra- 
matischer Gewalt. Die gebieterische Gestalt des Apostels, vor Welchem 
der grausige Drache sich angstvoll zusammenkrümmt, contrastirt 
herrlich mit dem wunderlichen Götzenbilde, an dessen Knie sich ein 
katzenartiges Thier schmiegt, während sich an der andern Seite ein 
Papagei niedergelassen hat. Ergreifend ist auch die tiefe Erschütterung, 
mit Welcher der Götzenpriester sich vom Altare abwendet, die Ohn- 
macht des Jünglings bei der Erscheinung des Drachen, die lebhaften, 
wenn auch bisweilen etwas zu natürlichen Gebärden des Abscheus und 
Entsetzens in den Umstehenden. Bei der Kreuzigung des Apostels 
sind die Bewegungen der Henker, welche den Kreuzesstamm aufrichten 
und an Stricken in die Höhe ziehen, zwar äusserst lebendig, die Ge- 
stalten aber doch von einer zu niedrigen Charakteristik, Zeichnung 
und Modellirung der Figuren von oberflächlicher Liederlichkeit. Man 
sieht einen hochbegabten Künstler, der zum Manierismus herabsinkt, 
weil er sich selber nicht zu zügeln vermag. Diese Richtung ist um 
so auffallender, da sie der strengsten Gewissenhaftigkeit bei den übrigen 
zeitgenössischen Werken gegenüber steht. 
Für die Entwicklungsgeschichte Filippinds sind mehrere seiner 
Tafelbilder besonders desshalb von Wichtigkeit, weil er dieselben öfter 
datirt und mit seinem Namen versehen hat. So das für den Palazzo 
pubblico ausgeführte Altarbild von 1485, jetzt in den Üffizien, welches 
die thronende Madonna mit dem Kinde darstellt, von vier Heiligen 
umgeben, ein grosses Hauptwerk, feierlich angeordnet und überaus 
Heissig durchgeführt, die Madonna von etwas gleichgültigem Ausdruck, 
die Nebenfiguren dagegen um so mächtiger. Nicht minder meisterhaft 
ist das Votivbild einer thronenden Madonna der Cappella Nerli in 
Sto. Spirito. Auch ein Altarbild in S. Micchele zu Lucca mit den 
heiligen Rochus, Sebastian, Hieronymus und Helena gehört zu seinen 
frühen und tüchtigen YVerken. Bedeutend ist auch das 1495 an 
Ghirlandajds Statt für die Mönche in S. Francesco zu Prato gemalte 
Altarbild, jetzt in der Pinakothek zu München. Es stellt den Auf- 
erstandenen dar, der vor seiner Mutter kniet und ihr seine Wunden 
zeigt, ein Werk voll tiefer Empfindung, aber etwas hart in der Farbe, 
die Madonna von einem derben fast spiessbürgerlichen Typus. Die
        

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