Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267928
III. 
Kapitel. 
florentiner 
Die 
Schule. 
Zweite 
Generation, 
365 
Stifter voll energischer Porträtwahrheit enthält. In der Himmelfahrt 
der Madonna endlich, die von einem tanzenden Kreise mugicifgndgf 
Engel umringt wird, erkennt man die Einwirkung der flatterndcn 
Gewänder BotticellYs, nur hier bis in's Manierirte gesteigert. Die 
Gewänder der Madonna in dem gedankenlosen Reichthum des Falten- 
wilrfs sind schon eine Vorahnung des späteren Z0pfstilg_ 
Gradezu stillos sind sodann die letzten grossen Fresken, welche 
Filippino in der Cap. Filippo Strozzi in Sta- Maria Novella aus- 
führte. Schon 1487 war der Auftrag hierzu an ihn ergangen, aber 
in einem noch erhaltenen Briefe aus Rom entschuldigt sich der Künstler 
mit seinen dortigen Arbeiten für den Kardinal Carafa. Die Ausführung 
der Werke erfolgte erst spät, nach dem Tode des Stifters (1491). 
Die Fresken enthalten die Auferweckung der Drusiana durch Johannes 
den Evangelisten, das ltlartyrium des Heiligen in einem Kessel mit 
siedendem Oel, den Sturz der Götzenbildcr durch den Apostel Phllippug 
und dessen Kreuzigung. Hier sind ohne Frage immer noch einzelne 
Motive von überraschender Lebendigkeit,  von hohem dramatischem 
Ausdruck, voll kühnen Schwungs der Phantasie. So ist die auf der 
Bahre sich erhebende, ihrem Erretter die Hände entgegenstreckende 
Drusiana von ergreifendem Ausdruck staunenden Wiedererwachens, die 
Gestalt des Apostels von feierlicher Würde, das Entsetzen der Träger, 
die lebendige Theilnahme der Zuschauer, namentlich der Frauen mit 
ihren Kindern voll Schönheit. Dennoch fehlt es nicht an allerlei 
Wunderlichkeiten, namentlich sprechen die bauschigen manicrirten 
Gewänder fast nirgends mehr den Organismus der Gestalt bezeichnend 
aus. Beim Martyriilm des Johannes ist die Bewegung der Henker 
und die leidenschaftliche Gebärde des Richters gut ausgedrückt, die 
Figuren aber leiden an einer bombastischen Üeberladung mit antiken 
Kostümgegenständen, welche freilich Vasari besonders lobt, die uns 
aber fast den Eindruck einer Maskerade macht. Man begreift bei 
dieser Richtung des Künstlers, dass er mit seiner reichen Erfindungs- 
gabe, wie Vasari erzählt, der Jugend bei Festen, Maskeraden und 
andern Schauspielen besonders willkommen war. Noch mehr tritt 
diese Phantastik zu Tage bei der Darstellung von des ApostelsWunder- 
that, wo allerlei orientalisches Kostüm hinzukommt und die seltsame 
Ausbildung der Tempelnische mit dem Götzenbild, der verkröpften 
Gesimse, der seltsamen Hermenfiguren an den Pilastern, der Häufung 
von Trophäen, Vasen, Waffenstücken u. dgl. einen völlig barocken 
Eindruck erzeugt. Wegen dieser Dinge sowie wegen der wunderlichen
        

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