Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267795
354 
Buch. 
Frührenaissance. 
enthält es einen besonders poetischen Zug in den mit Rosen bekränzten 
Engeln, welche mit brennenden, ebenfalls von Rosen umiiochtenen 
Wachskerzen sich herandrängen. Die dünnen flatternden, aufgeschürzten 
Gewänder der Engel bezeugen eifrige Studien nach antiken Gewand- 
figuren. Ein ähnliches Rundbild der Madonna mit Engeln sieht man 
ebendort in der Galerie Raczynski. Ein anderes Bild (Nr. 106), 
das aus S. Spirito stammt, giebt die thronende Madonna mit Johannes 
dem Evangelisten und dem Täufer; letzterer Wiederum fast skelettartig 
im Geiste DonatelloÄs. Eine köstliche Laube vo'n Palmen und Oliven, 
welche die Gestalten umgiebt, verleiht dem Bilde hohen poetischen 
Reiz und beweist auf's Neue, dass Sandro in solchen Werken wie ein 
sinniger Dichter stets neue Weisen zur Verherrlichung der Madonna 
anstimmt. Nr. 1117 in derselben Galerie, die Verkündigung darstellend, 
ist etwas flau in Farben und Durchführung und gehört zu den geringeren 
Werken des Meisters. Anziehender ist eine Predella der Galerie zu 
Dresden (Nr. 2369) aus der von Quandfschen Sammlung, in vier 
Abtheilungen Scenen aus der Legende des h. Zenobius enthaltend. 
Zu den grossartigeren Schöpfungen Sandr0's gehört die Grab- 
legung Christi in der Pinakothek zu München, ein Werk von einer 
leidenschaftlichen Gewalt des Schmerzes, ebenfalls an Donatello erin- 
nernd, kräftig modellirt und in einem tiefen Kolorit durchgeführt. Ein 
kleineres gutes Bild des Meisters ist die Anbetung der Könige in der 
Eremitage zu Petersburg; zwei schwächere Rundbilder der Madonna- 
besitzt die Nationalgalerie zu London, doch gehört das eine (Nr. 275) 
durch die anmuthige Composition, das feine kühle, fast wachsartige 
Kolorit, die treffliche Zeichnung der Hände, den unschuldsvollen Aus- 
druck der Köpfe zu seinen liebenswürdigsten Werken. Von den zahl- 
reichen, in den Privatsammlungen befindlichen ähnlichen Bildern San- 
dros dürfen wir füglich absehen, um einer Reihe andrer Gemälde zu 
gedenken, welche den Künstler als einen der eifrigsten Bewunderer 
des klassischen Alterthums erkennen lassen. Diese Werke gehören 
sicherlich seiner früheren Zeit an, ehe er durch das Auftreten Savo- 
narola's einem mystischen Tiefsinn verfiel. 
Das Hauptbild dieser Gattung ist die Geburt der Venus in den 
Uffizien. (Fig. 109.) Für Cosimo Medicfs Villa zu Castello gemalt, 
giebt es uns eine deutliche Vorstellung von der Stimmung, in welcher 
die Zeit der Frührenaissance sich die Gestalten des klassischen Mythos 
vorstellte. Eine thaufrische, jugendlich schlanke Gestalt, schwebt die 
Göttin in einer Muschel auf der leichtbewegten Meeresfltith heran,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.