Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264109
Kapitel. 
Epoche. 
Altchristlicl] e 
19 
sondern auch die bedeutsameren Hauptfiguren tragen dasselbe Gepräge. 
Die Gestalten des guten Hirten, des Daniel, David, Jonas, Moses, die 
betenden Frauen hätte die antike Kunst genau ebenso gebildet. Üeber- 
raschend ist nun, wie schnell der Kreis bildlicher Darstellungen, noch 
streng innerhalb des symbolischen Grundcharakters, sich erweitert, bis 
er etwa gegen Ende des dritten Jahrhunderts ahgesehlggggn erscheint 
und von da ab tur llang-e Zeit typisch erstarrt. Auch die klassische 
Feinheit, die anmuthige Anspruchslosigkeit der Bilder nimmt in dieser 
ersten Epoche mehr ab als zu. iDie altehristliche Kunst theilt in for- 
mellcr Hinsicht die Geschicke der antiken und vermag sich dem all- 
gemeinen Verfall des Kunstgefühls und der Technik nicht zu entziehen_ 
Aber die antike Formenwelt hatte lange genug vorgehalten, um der 
christlichen Kunst ,über ihre Kinderjahre hinaus zu helfen und ihr eine 
Sprache zu leihen, in der sie die neuen Gedanken, welche die Welt 
zu bewegen anfingen, zu fixiren vermochte. Die ältesten Werke zeigen 
ein Ueberwiegen des dekorativen Elementes; so die Weinranken mit 
Genien in S. Domitilla, welche De Rossi noch in den Ausgang des 
ersten Jahrhunderts setzt, was bei der graziösen Feinheit ihrer Zeich- 
nung und dem leichten dekorativen Charakter grosse Wahrscheinlichkeit 
hat. Auch jene Madonna mit dem Propheten Jesaias in S. Priscilla, 
die sich durch acht antike Lebendigkeit auszeichnet, weist er derselben 
Zeit zu. Später sind die Deckengemälde der Januariuskrypta in den 
Katakomben des Praetextatus, wo die Dekoration schon das der 
christlichen Zeit eigne Ueberwiegen architektonischer Eintheilung zeigt. 
In der Nische sieht man den guten Hirten, am Gewölbbogen Sclinitter, 
welche mit der Erndte beschäftigt sind, darüber "in vier concentrischen 
Streifen Ranken von Rosen, Kornahren, Reben und Lorbeerzweigen, 
als Andeutung der Vier Jahreszeiten. Dieses und einige andere Bilder 
darf man vielleicht dem zweiten Jahrhundert zuweisen, während die 
Mehrzahl der übrigen unter den frühesten Katakombengemälden in's 
dritte Jahrhundert gehört. 
Eins der schönsten Beispiele von der sinnigen Anordnung dieser 
Malereien findet sich in einer der grösseren Kapellen von S. Calisto. 
(Fig. 4.) In der Bogennische sieht man den jugendlichen Christus in 
der Mitte auf einem Sessel sitzen, mit der Linken eine Schriftrolle 
haltend, die Rechte in der Bewegung des Lehrens erhoben. Auf beiden 
Seiten umgeben ihn Zuhörende verschiedenen Alters mit dem lebendigen 
Ausdruck der Aufmerksamkeit. Der untere Theil der Darstellung ist 
durch ein später eingebroclienes Grab zerstört, aber die schön abge-
        

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