Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267781
III. 
Kapitel. 
florentiner Schule. 
Die 
Generation. 
Zweite 
353 
Sandrds Gemüthsrichtung in der späteren Lebenszeit. Er war nämlich 
ein Anhänger Savonarolas und gehörte zu den durch den mystischen 
Fanatismus des Bussepredigers hingerissenen Piagnoni (Klagebrüdern), 
deren Anschauung der Künstler auf diesem Bilde, dem einzigen viel- 
leicht, das seinen Namen trägt, in einer griechischen Inschrift Aus- 
druck gegeben hat, welche besagt, dass Sandro diese Tafel im Jahre 
1500 gemalt habe „in der Mitte der Zeit nach der Zeit, nach dem 
Buch der Offenbarung, wehe, in der Loslassung des Teufels u. s. w." 
Von den zahllosen Altarbildern Sandro's ist eins der bedeutendsten 
das aus S. Barnaba in die Sammlung der Akademie gelangte (Saal 
der grossen Gemälde N0. 52): die in einer Nische thronende Madonna 
hält das auf ihrem Schoosse stehende Kind, welches die Hände seg- 
nend ausstreckt. Zwei Engel schlagen den Vorhang des Baldachins 
zurück, während zwei andre die Leidenswerkzeuge zeigen. Jederseits 
stehen drei Heilige zu den Füssen des Thrones, darunter zwei pracht- 
volle bischöfliche Gestalten, der jugendschöne Erzengel St. Michael, 
der hagere, an Donatellds Ascetik erinnernde Täufer Johannes und die 
edle Gestalt der h. Katharina von Alexandrien. Es ist ein Bild von 
grossartiger, mit Ghirlandajo wetteifernder Architektonik, voll bedeu- 
tender Charaktere, überaus sorgfältig durchgeführt, wenngleich in der 
Modellirung nicht frei von plastischen Härten. Ein Hauptbeispiel seiner 
beliebten Rundbilder bietet die Madonna der Üffizien (Nr. 1289) die 
in nachdenklich wehmüthigem Ausdruck das segnende Kind im Schoosse 
hält, während sechs Engel -von beiden Seiten. mit Lilien und Gebet- 
büchern die Gruppe umdrängen. Hier ist wieder im Gegensatze zu Fra 
Filippo, der solche Scenen voll heitrer, selbst schalkhafter Lust darstellt, 
der ernste sinnige, selbst wehmüthige Charakter Sandro's auffallend. 
Bei der grossen Anzahl ähnlicher Werke des Künstlers, die man überall 
verbreitet findet, ist uns nur Einiges herauszuheben gestattet. S0 das 
Rundbild einer Madonna in der Galerie Pitti, ein anderes ebendwt 
unter Fig. 357, ein treffliches Altarstück in S. Jacopv di RiPOIi mit 
einer figurenreichen Krönung der Madonna, eine einfachere Wieder- 
holung desselben Gegenstandes in der Sakristei der Badia zu Volterra, 
ein schönes Rundbild der Madonna. mit dem Kinde, dem jungen 
Johannes und sechs Engeln in der Galerie Borghese zu Rofm, eine 
andre Madonna in der Galerie zu Turin (Nr. 374), ein schönes Rund- 
bild, wiederum die Madonna mit dem Kinde, im Museum zu Berlin 
(Nr. 102). In kühlem klarem Ton durchgeführt und in der dem 
Meister eigenen, zum Theil etwas scharfen plastischen Miodellirung, 
L übke, Italien. Malerei. I. 23
        

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