Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267763
III. 
Kapitel. 
florentiner Schule. 
Die 
Zweite 
Generation. 
351 
einen wie von zarter Wehmuth überhauchten, durchaus individuellen 
Typus; meist begleitet die Herrin ein Gefolge von Engeln, deren milde 
Innigkeit und Treuherzigkeit des Ausdruckes sie wie mit einem Akkord 
jugendlicher Schönheit umgeben. 
Zu seinen früheren Kompositionen gehört die ursprünglich für 
S. Marco gemalte, jetzt in der Akademie befindliche Krönung der 
Jungfrau. Man sieht die Madonna, die im Ausdruck zarter Demuth 
an Fra Filiplao erinnert, von anmuthigen Engeln umtanzt zu dem in 
etwas gesuchter Stellung erscheinenden Gottvater hinauf schweben 
Grossartig sind die vier Gestalten von Heiligen, welche in lebhaftem 
Affekt zuschauen. Die ebendort befindliche Predella enthält die Ver- 
kündigung und vier legendarische Scenen, fein ausgeführt in warmer 
Färbung auf zierlichen landschaftlichen Gründen. Ein anderes bedeu- 
tendes Werk seiner Frühzeit ist die grosse Anbetung der Könige in 
den Uffizien (N0. 1286), ursprünglich für Sta. Maria novella im Auf- 
trage der Medici gemalt. Es galt hier nebenbei die Verherrlichung 
des grossen Cosimo, der in der Gestalt des vordersten der drei Könige 
vorgeführt ist, während die beiden andern angeblich die Bildnisse 
Giuliands und Giovannfs de" Medici sind. Das Bild ist in einem klaren 
Temperaton mit grosser Gediegenheit durchgeführt und besonders 
durch köstliche jugendliche Gestalten ausgezeichnet. rPoetisch ist auch 
die Anordnung des Ganzen, namentlich die erhöhte Stellung der 
Madonna in einer Hütte, die in antike Ruinen eingebaut ist. In der 
Fülle und Mannigfaltigkeit individuellen Lebens und der tiefen Kraft 
des Ausdrucks gehört dies Werk zu den tüchtigsten Schöpfungen der 
Zeit. Die sorgfältige Ausführung, besonders der Reichthum zier- 
lichen Schmucks an den Gewändern, verräth den Einfluss der Gold- 
schmiedekunst. 
Eins seiner schönsten Madonnenbilder ist sodann das Rundbild 
in den Üffizien N0. Q5. Die Madonna, eine seiner zartesten Ge- 
stalten mit leisem Anflug von Wehmuth, hält das lieblich zu ihr auf- 
blickende Kind, das sie mit der Linken umfasst, während sie mit der 
Rechten die Feder in das von einem Engel gehaltene Tintenfass taucht, 
um in ein Buch zu schreiben, das ein andrer Engel ihr hinhält (Fig. 108). 
Das Christuskind scheint wie im Spiel die Hand der Mutter führen 
zu wollen. Zwei Engel schauen dem Vorgang zu und zwei andre sind 
im Begriff, die Krone auf das Haupt der Madonna zu setzen. Zwischen 
den Figuren öffnet sich der Blick in eine heitere Frühlingslandsehaft, 
Es ist bezeichnend für die Stimmung der Zeit, dass der sonst so feier-
        

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