Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267746
Kapitel. 
Die 
Schule. 
florentiner 
Generation. 
Zweite 
349 
gestalten in wirkungsvollen: Gegensatz, von tiefem seelenvollem A115- 
druck, aber ebenfalls etwas grell und bunt in der Farbe, besonders 
durch das goldgelbe Gewand der Elisabeth. Das Bild stammt aus der 
Kirche Sta. Maria Maddalena de' Pazzi und wurde nach Vasari's Ver- 
sicherung durch die Brüder des Meisters, David und Benedetto been- 
digt. Man wird die Hände der beiden wohl überall da in den Gemälden 
Ghirlandajds vermuthen dürfen, wo jene grelle Buntheit des Kolorits 
hervortritt. 
Das Datum 1491 ist das letzte aus dem Künstlerleben Domenicds. 
In demselben Jahre hatte er nebst andern Künstlern Entwürfe für die 
Faeade des florentiner Doms zu liefern. Dass es ihm an der dazu 
erforderlichen Kenntniss der Architektur nicht fehlte, erzählen uns alle 
seine Bilder, denn kaum ein andrer Maler jener Zeit bewährt eine 
solche Herrschaft nicht bloss über die architektonische Einzelform und 
Dekoration, sondern zugleich eine solche Meisterschaft in prachtvollen 
und feierlichen baulichen Kompositionen. Es ist derselbe grosse Sinn, 
der sich in dem rhythmisch-symmetrischen Aufbau der Gruppen offen- 
bart. Auch in der musivischen Kunst War Ghirlandajo erfahren, wie 
sein Meister Baldovinetti, und die Komposition der Verkündigung an 
einem Portal des Doms, dem zweiten der Nordseite, ist von ihm und 
seinem Bruder David ausgeführt. Dieser letztere War der eigentliche 
Mosaicist der Familie und hatte 1492 die Mosaiken des Doms zu 
Orvieto und gleich darauf diejenigen des Doms zu Siena auszuhessern. 
Domenico war zweimal verheirathet und lebte, wie es scheint, 
in glücklichen Familienverhältnissen und in hohem allgemeinem An- 
sehen wegen seiner Kunst und wegen seines edlen Charakters. Er 
starb, noch nicht 45 Jahre alt, 1494 an der Pest und wurde in der 
Stille um Mitternacht in Sta. Maria novella, dem grossen Denkmal 
seines Ruhmes, bestattet. 
Ausser den beiden jüngeren Brüdern des Meisters Döwidß lind 
Benedetto, die wir neben manchen andern bei der Ausführung seiner 
grossen Werke uns mitbeschäftigt denken müssen, ist hauptsächlich 
Bastiano ilfainardi, aus S. Gimignano, der Schwager DOIIIGIÜCWS, bei 
seinen Werken betheiligt. Mit der Stiefschwester Ghirlandajds, Ales- 
sandra, verheirathet, stand- er persönlich und durch seine Kunstrich- 
tung dem Meister nahe. Die Kapelle Baroncelli in Sta. Croce enthält 
ein Fresko von seiner Hand, die Uebergabe des heiligen Gürtels an 
den h. Thomas, laut VasarYs Zeugniss nach einem Karton Ghirlan- 
dajds ausgeführt. In San Gimignano, seiner Vaterstadt, lässt sich
        

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