Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267725
IIl. Kapitel. 
Die florentiner 
Schule. 
Zweite 
Generation. 
347 
Strenge des architektonischen Aufbaues, der wuchtige, Ernst der Männer 
erhält an der lieblichen Madonna, dem herzigen, auf ihrem Schooss 
sitzenden Kinde und den Engelköpfchen eine Milderung-und die hohe 
Mauer mit ihren Gebüschen und Blumeuvasen, welche den Hintergrund 
bildet, verleiht der Scene etwas traulich Abgeschlossenes. Es liegt 
aber in der etwas steifen Armhaltung der Madonna und der noch nicht 
zu voller Freiheit gelösten Rhythmik, sowie in dem ungemilderten 
Naturalismus der männlichen Figuren, die selbst noch an Castagno 
erinnern, das Gepräge eines in der Entwicklung begriffenen Künstlers. 
Die Predella enthält eine Pietät und vier kleine Scenen aus dem Leben 
der dargestellten Heiligen. Zu freierem Fluss und höherer Lebens- 
fülle entfaltet sich das Gefühl für architektonische Symmetrie in der 
aus S. Giusto stammenden thronenden Madonna der Üffizien (N0. 1297). 
Hier ist die Madonna von vier Engeln umgeben; dazu kommen die 
ritterlichen Jünglingsgestalten der Erzengel Michael und Rafael, wäh- 
rend vorn die beiden knieenden Bischöfe Zenobius und Justus im 
Ausdruck inbrünstiger Andacht knieen. Auch hier wird die strenge 
Feierlichkeit des symmetrischen Aufbaues und die grossartige Kraft 
der männlichen Köpfe durch die Schönheit der Madonna, des Kindes 
und der Engel gemildert. Die Durchführung in klarem Ton zeugt 
von der sorglichsten, selbst etwas mühsamen Vollendung.  
Aus dem Jahre 1487 stammt sodann die Anbetung der Könige 
in den Uffizien (N0. 1295), ein grosses Rundbild, das eine Menge 
von Gestalten in einer freieren und doch symmetrisch fein abgewogenen 
Komposition vereinigt. Während die Madonna liebevoll das Kind der 
Anbetung des ältesten der drei Könige darreicht, knieen die beiden 
andern zu beiden Seiten, der eine wieder mit dem etwas gleichgültigen 
Ausblick auf den Beschauer. Zahlreiches Gefolge, zum Theil in blin- 
kender Rüstung, füllt zu beiden Seiten den vorderen Plan und lasst 
in der Mitte durch die Ruinen eines römischen Prachtbaues den Blick 
auf eine mitten im Wasser liegende Stadt frei, die mit ihren Kanälen 
an Venedig erinnert und in der zierlichen Durchführung mit iiandrischen 
Bildern wetteifert. Die ungemein kraftvolle Färbung ist indess hier 
nicht frei von Buntheit, die besonders durch die häuüge Anwendung 
von Roth und Gelb bewirkt wird. Eine freie Nachbildung dieses Ge- 
mäldes findet sich unter N0. 358 in der Galerie Pitti. 
Die schönste aller Altartafeln Ghirlandajds ist aber die grosse 
Anbetung der Könige in der Kirche der Innocenti, vom Jahre 1488, 
Hier steht der Meister auf seiner Höhe; hier stuft er die reiche
        

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