Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267671
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Buch. 
Die 
Frührenaissance. 
damalige florentinische Kunst so reich ist. Eine bedeutende Versamm- 
lung gespannt aufhorchender Zuhörer finden wir in der Predigt des 
Johannes, obwohl hier die Hauptgestalt wie eine Anzahl der Neben- 
iiguren Wieder etwas dürftiger in Form und Durchbildung erscheinen. 
Bei der Taufe Christi ist der Vorgang selbst weihevoll geschildert, 
und in den Nebenfiguren, die sich zur Taufe vorbereiten, hat der 
Künstler, wie in der Christusgestalt, sein gediegenes Verständniss des 
Nackten, des menschlichen Organismus in Form und Bewegung be- 
kundet. Die Landschaft ist durch steil aufragende Felsen gegliedert, 
zwischen welchen der Blick in lieblich angebaute Thalgründe fällt. 
Bedeutend ist die Gruppe des in den Wolken zwischen anbetenden 
Engeln erscheinenden Gottvaters. Beim Gastmahl des Herodes, welches 
das ganze Bogenfeld füllt, fällt der Blick in eine grossartige drei- 
schiffige Renaissancehalle, das Vorbild der herrlichen Bogenhallen der 
Schule von Athen. Dadurch erhält die Scene den Eindruck vornehmer 
Pracht und Festlichkeit. In freier Anordnung sind an drei hufeisen- 
förmig gestellten Tischen die Gäste vertheilt. Die ilorentinischen Damen 
in ihrem zierlichen Kopfputz, idie stattlichen Männer in faltenreichen 
Talaren, die Jünglinge in der knapp anliegenden Modetracht geben 
ein lebendiges Bild der Zeit. Es fehlt auch nicht an einem Zwerge, 
der damaligen Hofhaltungen unerlässlich war. Die tanzende Salome 
war eine Aufgabe, die der Künstler nicht in voller Freiheit zu lösen 
vermochte; es isteeine Figur, die mit den gezwnngenen Bewegungen 
und den bauschenden Gewändern an Bronzeguss erinnert. Auch der 
knieende Diener mit derrLHaupte des Taufers ist nicht frei von Härten 
in Form und Bewegung. Das Ganze aber macht einen grossartig 
festlichen Eindruck. Die Evangelisten an den Gewölben gehören zu 
den geringeren Arbeiten; es war nicht mehr die Zeit, die solchen 
Aufgaben ein Interesse zuwandte. 
Man begreift vor diesem grossartigen Cyelus, der mit erstaun- 
licher technischer Sicherheit behandelt ist, das Wort Ghirlandajds: 
"Jetzt, da ich die Art dieser Kunst kennen gelernt habe, bedaure ich, 
dass man mir nicht die ganze Stadtmauer von Florenz mit Historien 
zu bemalen übertragen hat." Tornabuoni war höchlich befriedigt von 
diesen bedeutenden Werken, durch die er seine und seiner Familie 
Unsterblichkeit verbürgt sah. Als es aber an's Bezahlen ging, wurde 
ihm die ausbedungene Summe doch etwas zu schwer. Ghirlandajo 
sollte zu dem Preise von 1200 Dukaten für das Ganze, noch 200 als 
Extrabelohnung erhalten, wenn man zufrieden sein würde. Tornabuoni
        

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