Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267659
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Buch, 
Frührenaissance. 
Die 
die Figuren selbst bilden eine schön aufgebaute Gruppe, lebendig be- 
wegt in jenem freien architektonischen Rhythmus, jener von Leben 
durchpulsten Symmetrie, die eine der grossen Eigenschaften des Meisters 
ausmacht. In den Pferden, die bei demiGefolge der Könige vielfach 
vorkommen, steht er dem Benozzo nicht gleich. Man darf aber nicht 
vergessen, dass solche grossräumige Werke nur mit starker Betheiligung 
von Schülern und Gehülfen auszuführen waren, und dass manche 
Nebensachen solchen geringeren Händen überlassen blieben. Die zahl- 
reich angebrachten Porträtfiguren scheint der Meister sich überall 
selbst vorbehalten zu haben, denn sie gehören zum Besten und Lebens- 
vollsten ihrer Art: begreiflich bei dem hohen Werth, welchen die Zeit 
auf Bildnissdarstellung legte. 
Der nun folgende Kindermord ist eine von jenen Scenen, in 
welchen die heftigen Bewegungen, die rennenden Figuren mit den 
ilatternden Gewändern und den scharfen spitzen Knieen die Härten 
und Ünvollkommenheiten im Stil Ghirlandajds am meisten erkennen 
lassen. Die Motive an sich dagegen sind voll dramatischer Gewalt, 
voll historischen Stils und Kühnheit der Erfindung, so namentlich der 
in der Mitte des Bildes vorn durch ein zusammenbrechendes Pferd 
niedergeworfene Söldner, der sich mit dem Schilde zu decken sucht, 
während er sich mit der Rechten auf den Boden stützt. Die Scene 
wird dadurch noch lebendiger, dass auch der Reiter zu Boden ge- 
worfen wird und sich angstvoll an den Hals des Rosses anklammert. 
Hier ist eine Grösse des Stils, die uns RafaePs historische Compo- 
sitionen vorahnen lässt. Gäbe es nicht einzelnes Unfreie und Befangene, 
so wäre die volle Höhe bereits erreicht. Ein plastisch geschmückter 
Triumphbogen nach dem Vorbild des Constantinischen schliesst den 
Mittelgrund. Das Bogenfeld enthält den Tod und die Himmelfahrt 
der Madonna. Obwohl auch diese Composition stark gelitten hat, 
erkennt man recht wohl die ergreifende Schönheit der mittleren Gruppe, 
Wo die klagenden Jünger und Angehörenden die Bahre umringen, auf 
welcher mit den matronalen Zügen einer vielgeprüften Dulderin die 
Mutter des Herrn ausgestreckt liegt. Die etwas schwächere Durch- 
bildung der Gestalten scheint auf dieselbe Hand hinzuweisen, welche 
wir in der Krönung der Jungfrau fanden.  
Auf der gegenüberliegenden Wand beginnt das Leben des Jo- 
hannes mit der Darstellung des Zacharias, dem beim Opfer am Altare 
der Engel erscheint. Der Engel mit seinen flatternden Gewändern ist 
eine jener häufig bei Ghirlandajo vorkommenden Gestalten, in denen
        

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