Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267575
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Buch. 
Frührenaissance. 
Die 
getreten zu sein. Im Jahre 1480, also mit 31 Jahren, finden wir ihn, 
obwßlll Vßfhßiratllet, nach den Steuerangaben seines Vaters mit drei 
Brüdern und einer Schwester noch im alterlichen Hause wohnhaft. 
Gleichwohl war er damals schon mit ansehnlichen Aufträgen betraut, 
denn aus demselben Jahre datirt das grosse Freskobild des Abendmahls 
im Refectorium von Ognissanti. Die Anordnung dieses Werkes ist 
die herkömmliche, auch noch von Castagno befolgte; aber die lebens- 
grossen Figuren Christi und der Apostel, obwohl weniger energisch 
als auf dem Bilde von St. Apollonia, sind durch ruhige Würde aus- 
gezeichnet. Der eine, den Kopf bekümmert auf die Hand stützende 
Apostel ist gradeztl eine Entlehnung nach Castagno. Unverkennbar 
ist das Streben, der Scene durch innere Bewegtheit des Seelenlebens 
dramatische Bedeutung zu geben. Die technische Ausführung ver- 
räth noch gewisse Mangel, eine rauhe ungleichmassige Behandlung. 
Üriginell ist die Anordnung, dass die Scene durch eine hohe Brüstungs- 
wand geschlossen wird, über welcher in der Mitte ein Pilaster auf- 
steigt, der nach beiden Seiten die reich geschmückten Bögen einer 
offenen Halle trägt. Üeber die Mauer schauen üppige Pflanzen, 
Orangengebüsche und selbst eine Fächerpalme wie aus einem Pracht- 
garten hervor; auf der Brüstung stehen in Vasen Nelken und Lilien, 
in den Seitenfenstern der Halle sieht man einen Pfau und eine Taube, 
die Luft ist mit fliegenden und sich verfolgenden Vögeln belebt. Im 
Refektorium von S. Marco hat Ghirlandajo denselben Gegenstand fast 
bis in die kleinsten Einzelheiten wiederholt, dabei jedoch gewisse 
Aenderungen in den Köpfen und der Haltung der Figuren erstrebt. 
Dadurch wurde wohl eine weichere Stimmung erreicht, aber mit wesent- 
licher Einbusse an Kraft der Charakteristik und der Dramatik. In 
der Kirche Ognissanti sieht man sodann die Einzelgestalt des h. Hiero- 
nymus aus demselben Jahre, noch in etwas einseitigem Naturalismus 
durchgeführt. In der umständlichen Behandlung der ganzen Umgebung 
mit Pult, Büchern und Schreibgeräth erkennt man den Schüler Bal- 
dovinettfs und den Einfluss der flandrischen Meister. Von den Fresken, 
welche Ghirlandajo um dieselbe Zeit in der Cappella Vespucci ebenfalls 
in Ognissanti ausgeführt hat, und die unter Anderm den Amerigo 
Vespucci enthielten, welcher nachmals dem neuentdeckten Welttheil 
seinen Namen geben sollte, ist nichts mehr sichtbar. 
Bald darauf (seit 1481) entstanden ähnliche Arbeiten für den 
Saal des Palazzo Vecchio , bei welchen er neben Perugino, Botticelli, 
Filippino Lippi, Piero Pollajuolo und Andern betheiligt war- Zu dem
        

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