Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267491
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I1. Buch. 
Frührenaissance. 
Die 
und Kelterns der Trauben mit allen dazu gehörigen Episoden, wie sie 
reizvoller nicht zu denken. (Fig. 102.) Stattliche Jünglinge, anmuthige 
Jungfrauen, heitere Kinderschaaren beleben die Scene, prachtvolle 
Paläste mit Arkaden und Loggien, Gärten mit Cypressen, Palmen 
und Orangen geben ein Bild von der reichen florentinischen Landschaft. 
Bei der Schilderung von Noah's Trunkenheit sieht man die berühmte 
Frauengestalt, die zum Schein mit der Hand das Gesicht bedeckt, um 
durch die Finger vorwitzig nach dem daliegenden Noah zu schauen 
(„la vergognosa di Pisa"). 
Aehnlicher Reichthum in Wahrhaft überschwenglicher Weise zeich- 
net alle übrigen Compositionen aus, freilich in einer Verschwendung 
genrehafter Motive, dass darunter das Wesentliche der Vorgänge zum 
N ebensächlichen herabgesetzt wird. So in der Verfluchung Hanfs, 
wo die zahlreichen Gruppen spielender Kinder, modisch geputzter 
Jünglinge und Jungfrauen und mannigfaltige Thierscenen das Interesse 
fast ganz in Anspruch nehmen, an sich freilich wieder ein Ganzes von 
heiterster Lebensfülle. Der Thurmbau von Babel bietet dann wieder 
ihm Gelegenheit, nicht bloss in dem dichten Gewühl Zuschauender 
eine Anzahl bedeutender Portratgestalten, darunter Cosmo de' Medici 
und andre Berühmtheiten der Zeit vorzuführen, sondern in dem Ge- 
tümmel vor und auf dem Baugerüst eine bis in's Kleinste gehende 
Schilderung des rührigen Treibens auf einem Bauplatze zu geben. In 
dem fabelhaft reichen architektonischen Hintergründe sind alle möglichen 
Reminiscenzen zusammengedrängt, von der Trajanssaule bis zum Thurm 
des Palazzo vecchio. Aehnliches gilt von dem Bilde, wo der Götzen- 
dienst des Baal geschildert wird, und wo so recht die phantastische 
Willkür hervortritt, mit welcher Benozzo seine Architekturen behandelt. 
Dann führt er Abraham und Lot in Aegypten vor, in köstlicher 
Landschaft mit genrehaften Scenen, trefflichen Pferden und Hunden 
und Schilderung des Hirtenlebens. Man erkennt hier so recht wieder, 
welch ein Meister der Thierdarstellung Benozzo ist. Eine Scene wilden 
Kampfgetümmels sieht man sodann in Abrahams Schlacht, reich an 
lebensvollen Einzelzügen, das Ganze aber doch etwas wirr und über- 
laden. Dagegen bietet das Bild, welches Abraham und Hagar, dann 
die Züchtigung der letzteren durch Sarah, ihre Flucht, die Erscheinung 
der Engel vor Abraham und ihre Bewirthung enthält, einen Reichthum 
an edlen Gestalten. Der Patriarch, den man nicht weniger als fünfmal 
in den verschiedenen Scenen auftreten sieht, ist eine Gestalt voll Würde; 
die Engel erinnern an Benozzo's beste Inspirationen. Wirr und über-
        

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