Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267479
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Buch. 
Frührenaissance. 
die treue Schilderung eines humanistischen Hörsaals jener Zeit, und 
damit wieder einen werthvollen Beitrag zur Kulturschilderung der 
Renaissance. (Fig.101.) Zu den besterhaltenen Bildern gehört dann 
Augustins Ankunft in Mailand, wo man ihn nach der Sitte der Zeit, 
welcher namentlich Benozzo anhängt, dreimal in verschiedenen Scenen 
dicht neben einander sieht; zuerst wie ein Diener ihm bei der Ankunft 
die Sporen abschnallt, während ein anderer das Ross am Zügel hält; 
dann wie er vom h. Ambrosius empfangen wird, der liebevoll seine 
beiden Hände ergreift; endlich wie er in einer offenen Säulenhalle dem 
Kaiser Theodosius knieend seine Ehrfurcht beweist, wobei es wieder 
nicht an ausdrucksvollen Gestalten von Hofleuten und andern Zu- 
schauern fehlt. Von lebensvoller Mannigfaltigkeit ist dann die Scene, 
wie er von Ambrosius im christlichen Glauben unterwiesen wird, leider 
in manchen Theilen stark zerstört; idyllisch anmuthig die Gartenscene, 
in der man ihn ganz versunken in die Briefe des h. Paulus sitzen sieht. 
Ein gutes Ceremonienbild ist seine Taufe durch Ambrosius unter einer 
etwas wunderlichen Baldachinarchitektur (bezeichnet 1. April 1464); 
eine gemüthliche Idylle sein Besuch bei den Einsiedlern; besonders 
anziehend der Tod der h. Monica, obwohl die beiden nackten Kinder, 
die vor einem Hunde fliehen, eine wunderliche Zugabe sind. Die 
übrigen Bi1der_ haben starke Zerstörung erfahren, nur die reiche Dar- 
stellung der Bestattung des Heiligen, wobei nach dem Vorgange Fra 
Filippds einzelne klagende Gestalten von ergreifendem Ausdruck, ist 
wohl erhalten. Es ist dies eine seiner schönsten und feierlichsten 
Compositionen. Die untergeordneten Theile dieser grossen Arbeit führte 
sein Gehülfe Giusto dßlndrca aus, der uns in seinem noch erhaltenen 
Tagebuche erzählt, dass er zuerst bei Neri di Bicci, dann bei Fra 
Filippo und endlich bei „dem vorzüglichen Meister der Wandmalerei", 
Benozzo, und zwar in S. Gimignano gearbeitet habe. Von ihm rühren 
die Apostel am Eingangsbogen des Chores, sowie die Heiligen an den 
Fensterlaibungen, ausserdem gewiss sonst noch manches von den unter- 
geordneten Theilen, namentlich die Figuren und sonstigen Ornamente 
der Pilaster und die hässlichen steifen Engel mit der Inschrifttafel. 
Wie hurtig Benozzo arbeitete, aber wie oberflächlich es dabei 
zuweilen zuging, beweist eine ebenfalls 1465 ausgeführte Freske, die 
abermals der Verherrlichung des h. Sebastian gewidmet ist, in der 
Collegiata zu S. Gimignano. Charakteristisch für die antiken An- 
Sehauungen der Zeit, dass der Heilige hier als glorreichster Athlet 
bezeichnet wird („ad laudem gloriosissimi athleti sancti Sebastiani").
        

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