Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267453
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Buch. 
Die F ri 
ihrenaissance. 
erfüllt von zerbrochenen Pfeilen, die an dem Mantel abgeprallt sind. 
Dieses Thema absurdester mittelalterlicher Theologie hat offenbar den 
Künstler nicht zu begeistern vermocht; vergeblich hat er mit dem 
abgeschmackten Stoff gerungen und nur in der andächtigen Menge, in 
den charaktervollen Mannerköpfen, in einzelnen Frauengestalten, und 
namentlich in einer anmuthigen Kindergrilppe offenbart sich Etwas 
von seiner sonstigen Frische. Unter dem Bilde sieht man in kleineren 
Darstellungen den Cruzifixus und jederseits drei Medaillons mit Brust- 
bildern von Heiligen; unter dem Kreuze die kleine Figur des knieenden 
Stifters.  
Ungleich ansprechender ist der ausgedehnte Freskencyclus im 
Chor derselben Kirche, wo in 17 Bildern das Leben des h. Augustinus 
mit grosser Ausführlichkeit erzählt wird. Ein Theil dieser Werke ist 
allerdings übel zugerichtet, und was noch gut erhalten, zeigt den 
Künstler nicht durchweg auf der Höhe seiner Arbeiten im Palazzo 
Riccardi. Das poetisch-märchenhafte ist mit der feineren religiösen 
Stimmung verflogen, und an dessen Stelle tritt eine nicht selten an's 
Nüchterne streifende Realistik, die sich freilich durch manche tüchtige 
Porträtiigur und durch einzelne lebendige Cofmpositionen immer noch 
anziehend genug ausspricht. Benozzo wetteifert hier offenbar mit Fra 
Filippo, dessen Fresken in Prato er gewiss gekannt hat; aber er steht 
um ein Merkliches hinter ihm zurück. Namentlich verräth sich in 
vielen Figuren durch eine gewisse Trockenheit der harten und steifen 
Gewandfalten wieder der Einfluss der gleichzeitigen Erzplastik, den 
man so oft in den damaligen Schöpfungen der Malerei gewahrt. Immer- 
hin fehlt es nicht an einzelnen recht ansprechenden Bildern, die auch 
durch reiche architektonische Gründe im heitren Stil der Frührenais- 
sance und durch einrahmende Pilaster mit nackten Genien und andern 
Ornamenten sich zierlich genug gestalten. Zu den anziehendsten und 
best erhaltenen Bildern gehört gleich das erste, wo die h. Monica den 
kleinen Augustin dem Schulmeister übergiebt, der den Knaben freund- 
lich aufnimmt, während zwei schon mehr erwachsene Schüler neugierig 
den Ankömmling mustern. Köstlich ist gleich daneben in der offenen 
Pfeilerhalle das Gewimmel der lernbegierigen Kleinen; auch fehlt es 
nicht an einer Scene, wo an einem kleinen Thunichtgut, der halb ent- 
blösst auf dem Rücken eines Dieners hängt, ein Exempel a posteriori 
statuirt wird. Die sehr zerstörte Aufnahme Augustins in die Universität 
ist wenigstens durch ein paar lebendig gemalte Zuschauer bemerkens- 
wcrth, die indess, gleich den meisten Figuren hier, wie in Bronze
        

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