Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267430
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Buch. 
Frührenaissance. 
Die 
Seine erste Arbeit hier Waren die Fresken, mit welchen er die Kapelle 
im Palazzo Medici, jetzt Palazzo Riccardi schmückte. Er stellte an 
den Wänden des kleinen Raumes den Zug der heiligen drei Könige 
nach Bethlehem dar und schuf ein Werk, das an lebensvoller Anmuth, 
phantastisch heitrer Pracht, liebenswürdiger Empfindung in der ganzen 
Epoche kaum seines Gleichen hat. Gestalten von herrlicher Jugend- 
schönheit und männlicher Kraft in der reichen ritterlichen Tracht der 
Zeit, in goldschimmernden Brokatgewändern, auf prachtvoll gezäumten 
und geschirrten Rossen, reiten sie durch eine reiche Gebirgslandschaft 
dahin, von zahlreichem Gefolge, von Pagen zu Fuss und von Reisigen 
zu Boss begleitet. (Fig. 100.) Man sieht den Zug durch die Hohlwege 
des zerklüfteten Gebirges von der Höhe in mannigfachen Windungen 
herabkommen; dazwischen fehlt es nicht an fröhlichen Jagdscenen, wo 
ritterliche Gestalten dem fröhlichen Waidwerk obliegen, so dass das 
Ganze das heitere vornehme Leben jener Zeit trefflich schildert. In 
dem reichen Gewimmel von Gestalten sind mit scharfer Porträtwahrheit 
sämmtliche Mitglieder der Familie Medici sammt ihren Angehörigen 
vorgeführt. Die Landschaft ist unermesslich reich an Einzelheiten, 
an saftigen Wiesengründen, dichtem Gebüsch aller Art, verschiedenen 
Baumgruppen, darunter Cedern und Cypressen, die Einzelformen oft 
noch nach steifer conventioneller Schablone ausgeführt; besonders auf- 
fallend ist die starre Baumkuchenform der Felsen, in welcher immer 
noch Cenninfs Vorschrift von der Nothwendigkeit sich grosse Steine 
in der Werkstatt zu halten und danach zu zeichnen, nachklingt. Sehr 
gediegen zeigt sich der Künstler nicht bloss in seinen Porträtgestalten, 
sondern auch im Studium des Pferdes, das er in mannigfachster Be- 
wegung und in den schwierigsten Verkürzungen von vorn und von 
hinten gesehen verführt. Das ganze Werk ist ein interessantes Gegen- 
stück zu den Reitergruppen auf dem Genter Altar der Brüder van Eyck, 
mit dem es zwar nicht an minutiöser Feinheit der Durchbildung, wohl 
aber an unerschöpflichem Reichthum des Naturlebens wetteifern kann. 
So zieht sich der reiche Zug ohne irgend eine Unterbrechung 
rings an den Wänden hin. An den zwei schmalen Wänden vor der 
Altarnische ist die Verkündigung der Geburt Christi an die Hirten 
dargestellt, im Altarraume selbst sieht man ein ganzes Paradies von 
Engelchören, die theils schwebend, theils knieend, Blumen pflückend, 
lobsingend und anbetend, in reiche Gewänder gekleidet und mit schil- 
lernden Pfauenfiügeln versehen, den Raum mit strahlender Jugend- 
schönheit erfüllen, obwohl der Ausdruck des Singens, der dem Künstler
        

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