Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267404
III. 
Kapitel. 
florentiner Schule. 
Die 
Generation. 
Zweite 
319 
fanden wir ihn schon 1447 in Orvieto. Benozzo ist nicht bloss einer 
der fruchtbarsten und hurtigsten Künstler, die jemals Wände bemalt 
haben, sondern er hat uns auch in seltnem Grade die geschichtliche 
Verfolgung seines Entwicklungsganges erleichtert, da er nie unter-miss, 
an seinen Werken die Bezeichnung „Opus Benotii de Florentia" sammt 
der Jahreszahl anzubringen. Er ist keiner von den tiefen und gewal- 
tigen Geistern, kein Künstler von der religiösen Innigkeit eines Fiesole 
oder der machtvollen Grösse eines Masaecio: aber mit jubelnder Lust 
überlässt er sich in dem Drange einer reichen, schnell auffassenden 
und ebenso leicht schaffenden Phantasie der Freude an der neu ent- 
deckten Welt der Wirklichkeit, deren weite Gebiete er nach allen 
Seiten durchmisst und in erschöpfender Weise zur Erscheinung bringt, 
Während fast alle Florentiner dieser Epoche einen tiefen Ernst ver- 
rathcn, der oft selbst bis in's Herbe geht, nur Fra Filippo den Sinn 
für's Liebliche und Heitre hat, ist Benozzo recht eigentlich der Künstler 
anrnuthiger Lebensfreude, der zum ersten Male das Lachen in die 
Kunst einführt. Wohl findet man in seinen früheren Werken als 
Erbtheil seines Meisters einen starken Hauch religiöser Innigkeit, aber 
bald verflüchtigt sich dieser in offene Weltlust, und fortan sind ihm 
die kirchlichen Aufgaben nicht mehr um ihrer selbst willen da, sondern 
nur wegen der Gelegenheit, jede Art von Menschendasein, Würdevolle 
Männer, Porträts von Zeitgenossen, anniuthige Frauen und Jungfrauen, 
vor Allem die heitere Kinderwelt in immer neuen Gestalten darzu- 
stellen und sie auf landschaftlichen und architektonischen Gründen vor- 
zuführen, die an überschwänglichem Reichthum alles andre Gleich- 
zeitige hinter sich lassen. Seine Phantasie streut in verschwendrischer 
Weise den Inhalt eines unerschöpflichen Füllhorns vor dem erstaunten 
Zuschauer aus und häuft in ein einziges Werk einen solchen Üeber- 
fluss von Motiven aller Art, dass ein Künstler von W6iS6f6l' Oekonomie 
daraus eine ganze Reihe von Werken ausstatten könnte. Die architek- 
tonischen Beiwerke in seinen Bildern geben ein Compendium nicht 
bloss von allem, was irgend die üppige Triebkraft der Frührcnaissance 
an Bauten wirklich hervorgebracht, sondern auch was sie in unaus- 
geführten Entwürfen auf dem Papier und im Kopfe hervortreiben 
mochte. Ebenso entdeckt er ganz neue Reize landschaftlicher Schön- 
heit, die nicht wie bei Masaccio in der einfachen getragenen Harmonie 
der grossen Berglinien besteht, welche die grossartigen Gestalten um- 
rahmen, sondern in den tausendfachen Einzelformen einer reichen 
Gartenkultur, wie sie das gesegnete Arnothal in den Umgebungen
        

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