Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267393
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Buch. 
Frührenaissance. 
Die 
lernte er indess bei diesem die Gediegenheit strenger Formausprägung 
und das Streben, diesem Zweck auch die malerischen Mittel dienstbar 
zu machen. Wenn man Zeichnungen Verrocchids sieht, wie das 
berühmte Sepiablatt eines Pferdes, in der Sammlung des Louvre, so 
begreift man vollkommen die Höhe seines künstlerischen Naturells. 
Es ist offenbar eine Studie nach einem der Bronzepferde von S. Marco, 
die als kostbare Kunstbeute von Konstantinopel entführt, über dem 
Portal der Hauptkirche Venedigs prangen: ohne Zweifel eine der 
vorbereitenden Studien für die Ausführung des Reiterbildes Oolleoni's. 
Schaut man sich nach andern Gemälden Verrocchi0's um, so 
dürfte keines der in den verschiedenen Galerien ihm beigelegten so 
viel Anrecht auf seinen Namen haben, wie die köstliche Madonna der 
Nationalgalerie zu London (N0. 296), dort ehemals als Ghirlandajo, 
dann als Pollajuolo bezeichnet. Die Jungfrau sitzt mit gefalteten Händen 
und schaut dankbar anbetend auf das Christuskind herab, das wie ein 
liebliches Wunder ihr im Schoosse liegt und eine Beere an die Lippen 
führt. Ein schöner Engel unterstützt es dabei, während ein andrer 
gegenüber eine Lilie hält. Eine anmuthige Landschaft schliesst den 
Grund. Es ist eins der herrlichsten Tafelbilder jener Zeit, von einer 
goldigen Klarheit der Carnation, einer Feinheit des Tons, einer Durch- 
sichtigkeit der Schatten, einem Adel der Zeichnung und einer Strenge 
in der Durchbildung der Form, wie wenige gleichzeitige Werke. Die 
Gewänder sind ganz licht, scharf gezeichnet und in freiem Fluss ent- 
wickelt, die Hände besonders edel, der Kopf der Madonna zeigt jenen 
breitstirnigen Typus, den man bei den Lippi und bei Sandro findet, das 
Christuskind hat den dicken Kopf auf kurzem Halse, der besonders 
für Lorenzo di Credi bezeichnend ist. Die Durchführung mit allerlei 
Schmuck und zierlichen Gewandsäumen verräth den Geist eines Gold- 
schmiedes, so namentlich auch der rothe golddurchwirkte Vorhang. 
Endlich sind die Engel von so strahlender Jugendschönheit, und der 
eine hat solch schwärmerischen Ausdruck, dass man an den vorderen 
Engel auf der Taufe Christi erinnert wird und sich unwillkürlich fragt, 
0b man nicht ein Jugendwerk Lionardo's vor sich hat. 
Während bei dieser Künstlergruppe von der überaus viel- 
seitigen Thätigkeit nur ein kleiner, Theil auf die Malerei fällt, tritt 
nun eine Reihe von Meistern auf, durch deren Schaffen diese Kunst 
ihre reichste und breiteste Entfaltung erfährt. Da ist zunächst Benozzo 
Gozzoli, eigentlich Benozzo di Lese, der 1424 in Florenz geboren Ward 
und bei Fra Angelico die Malerei erlernte. Als Gehülfen seines Meisters
        

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