Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267348
Kapitel. 
florentiner 
lSchule. 
Zweite 
Generation. 
313 
Freske der Geburt des Christkindes, welches von der Madonna verehrt 
wird. Es ist das durch Fra Filippo eingeführte und Wigdgrholt be- 
handelte Motiv, in ähnlichem Sinn weltlich anmuthig durchgeführt und 
mit reichem landschaftlichem Hintergründe ausgestattet. In neuerer 
Zeit ist das im Archiv Von S. Maria Nuova aufbewahrte Tagebuch 
des Künstlers in einem Auszüge veröffentlicht worden, welches interes- 
sante Einblicke in den Kunstbetrieb jener Epoche gewährt. Es lehrt 
uns, in welch mannigfachen Beziehungen der Meister stand, und wie 
er, bei dem handwerklichen Charakter, den damals die Malerei noch 
immer trug, ausser Altarbildern und Fresken auch Zeichnungen für 
Glasgemalde, Bemalung von Koffern, Wappen, Schilden u. dgl., vorzüg- 
lich aber auch Ausführung und Reparaturen von Mosaiken übernahm. 
Als Mosaicist hat er namentlich, wie es scheint, sich hoher Anerken- 
nung erfreut und besonders die Mosaiken in der Tribune und am 
östlichen Portal des Baptisteriums Wieder hergestellt. Auf seinen be- 
deutendsten Schüler Ghirlandajo vererbte er unter Anderm auch diese 
Technik. 
In diese Reihe gehören auch Antonio Pollajerolo und sein jüngerer 
Bruder Piero, die als Söhne eines Goldschmiedes schon früh den künsti 
lcrischen Unterricht ihres Vaters genossen, während der jüngere, wie 
es scheint, durch Castagno in die Malerei eingeführt wurde. Antonio 
wurde 1429 geboren und erst mit dreissig Jahren von seinem Vater 
aus der Lehre entlassen. Er eröffnete dann selbst eine Goldschmiede- 
werkstatt und gehörte zu denjenigen Künstlern, welche in diese Kunst 
den neuen Stil der Renaissance einführten. Auch als Bildhauer, be- 
sonders in der Erzarbeit, stand er in hervorragender Geltung, wie er 
denn namentlich nach Rom berufen wurde, um die Grabmonumente 
für Sixtus IV. und Innocenz VIII. auszuführen. Auch treifliche Me- 
daillen soll er geschnitten und selbst Modelle zu einem Reiterstandbild 
für Ludovico Sforza gearbeitet haben. In seinen plastischen Werken 
ist der Einiluss Donatellds mit seinem scharfen Naturalismus und der 
leidenschaftlichen Bewegtheit des Ausdrucks unverkennbar. Aber auch 
in der Malerei war Antonio bewandert, und er gehört zu den Künstlern, 
welche die technischen Studien in der Aufnahme des neuen Bindemittels 
weiter führten und mit denselben eine möglichst scharfe, plastische 
Bezeichnung der Form anstrebten.  
Sein Bruder Piero, 1441 geboren und durch Castagno gebildet, 
scheint mit Antonio vielfach gemeinsam gearbeitet zu haben, so dass 
bei den vorhandenen Werken der Antheil der beiden Brüder kaum zu
        

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