Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267338
312 
Buch. 
Frührenaissance. 
_ von Fra Filippds Altarbild in Sta. Croce, von welcher zwei Abthei- 
 lungen in die Sammlung des Louvre, drei andere in die der Akademie 
zu Florenz gelangt sind, in der freien Lebendigkeit der Schilderung 
und dem frischen, hellen Kolorit dem Fra Filippo nahestehend. Auch 
die anmuthige Madonna des Berliner Museums Nr. 108 mit dem 
warmen goldigklaren Kolorit, sowie eine ähnliche im StädePschen Institut 
zu Frankfurt darf man vielleicht dem Pesellino zusprechen. Endlich 
gehören ihm wahrscheinlich zwei Bilder an einer Hochzeittruhe im 
Palazzo Torrigiani zu Florenz, welche Scenen aus dem Leben 
Davids, seine Begegnung mit den Philistern und seinen Triumph dar- 
stellen. Die zierlichen Bilder, in denen das Kostüm der Zeit mit 
Vorliebe nach Art Benozzo Gozzoli's und in ähnlich heitrer Auffassung 
zur Anwendung kommt, sind ansprechende Beispiele jener damals in 
Italien allgemein herrschenden Sitte, auch die Gegenstände des täg- 
lichen Gebrauchs, namentlich die Möbel, durch künstlerische Atlsstattung 
zu adeln. 
Ein Künstler verwandter Richtung ist Alesso Balrlovinetti, 1427 
geboren und in einem langen Leben bis 1499 thätig. Er scheint eben- 
falls die Weitere Ausbildung der Oeltechnik sich zur Aufgabe gestellt 
zu haben; ausserdem gehört er aber zu denjenigen Künstlern, welche 
starke Einflüsse der tlandrischen Schule erfuhren und in ihren Werken 
die genaueste Wiedergabe aller Einzelheiten der landschaftlichen Um- 
gebung anstrebten. Er malte, wie Vasari erzählt, „Flüsse, Brücken, 
Steine, Gräser, Früchte, Strassen, Felder, Städte, Schlösser, Plätze 
und allerhand dergleichen nach der Natur," so dass man nach dem- 
selben Gewährsmann in seinen Bildern „die Halme und Knoten im 
Stroh und die Wurzeln des Epheus zählen konnte, dessen Blätter 
überdies ganz naturgetreu auf der einen Seite dunkler gefärbt Waren 
als auf der andernß In den Üffizien sieht man im ersten Corridor 
eine thronende Madonna, von mehreren. Heiligen verehrt, die in ihrer 
scharfen und genauen, etwas mühsamen Behandlung den vollen Ernst 
seines naturalistischen Bestrebens verräth. Die Madonna erinnert an 
Fra Filippo, die Färbung ist noch unentschieden und schwankt zwischen 
der helleren Tempera und der dunkleren Oelmalerei. Ein anderes 
Altarbild, ehemals in Sta. Trinita, jetzt in der Akademie zu Florenz 
(Galerie der alten Gemälde Nr. 2) mit einer Darstellung der Dreieinig- 
keit, trägt ebenfalls, obschon stark beschädigt, das Gepräge Baldo- 
vinetti's. Von seinen Fresken im Chor von Sta. Trinitä ist nichts 
erhalten; dagegen befindet sich in der Vorhalle der Annunziata eine
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.