Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267321
III. 
Kapitel, 
ilorentiner 
Die 
Schule. 
Zweite 
Generation. 
311 
erfahren, betheiligte sich unter anderm 1419 an der Üoncurrenz für 
die Kuppel des tlorentiner Doms und wurde von den Behörden für so 
bedeutend erachtet, dass man ihn für den Fall des Todes oder Rück- 
tritts Brunellescds zu dessen Nachfolger in der Bauführung vermerkte. 
Sein Enkel Francesco, der Sohn einer seiner Töchter, wurde 1422 
geboren, heirathete mit zwanzig Jahren und arbeitete bis zum Tode 
des Grossvaters iin dessen Werkstatt. Im folgenden Jahre 1447 er- 
scheint er als selbständiger Meister in der Lukasgilde, stirbt aber schon 
1457. Von ihm gilt wahrscheinlich die Angabe VasarYs, dass er bei 
Castagno gelernt und Fra Filippo nachgeahmt habe. In den Nach- 
richten über die Thätigkeit der beiden Künstler herrscht grosse Ver- 
wirrung, und schon zu Vasari's Zeiten scheint Pesello und Pesellino 
eine Art Gattungsbegriii" geworden zu sein, was bei dem überwiegend 
handwerklichen Betrieb jener Zeit nicht Wunder nehmen kann. Wir 
vermögen daher auch nicht zu sagen, auf welchen von beiden sich die 
Angabe bezieht, dass er sich durch seine Vorliebe für Thiere, deren er 
allerlei in seinem Hause gehalten und sie trefflich nachgebildet haben 
soll, ausgezeichnet habe. Eine sichere Arbeit der Peselli ist die für 
den Signorenpalast in Florenz gemalte Anbetung der Könige, jetzt 
im ersten Corridor der Uffizien. Es ist eins jener Bilder, in Welchen 
die beliebte Scene völlig in ein zeitgeschichtliches Genrebild verwandelt 
wird. Der Künstler hat die Gelegenheit benutzt, eine Menge von 
Porträtfiguren im reichen ritterlichen Kostüm der Zeit in einer mit 
liebevollem Fleiss geschilderten Landschaft vorzuführen. Trotz der 
interessanten Porträts ist der Vorgang selbst aber etwas ceremoniell 
langweilig geworden, und mancherlei Mängel und Schwächen der 
Zeichnung beweisen, dass der Künstler mit Anstrengung nach der 
vollkommneren Naturwahrheit sich bemüht, welche die Zeit verlangt, 
während ihm zugleich die feierliche Stimmung und das Schönheitsgefühl 
eines Fiesole abgeht. Das Kolorit, soweit es sich noch unberührt er- 
halten hat, erscheint von warmem Ton, in den Fleischpartieen fast in's 
Ziegelrothe fallend. Im Ganzen scheint es mehr die Arbeit eines älteren 
als eines jüngeren Künstlers. Einen etwas jüngeren Charakter, den man 
wohl als Pesellino aufzufassen hat, zeigt die Verkündigung in der Kirche 
Spirito Santo, ehemals S. Giorgio zu Florenz. Verwandter Art ist 
eine Predella mit drei Darstellungen aus der Legende des h. Nicolaus, 
ehemals in Sta. Croce, jetzt in der Casa Buonarroti. Den Einfluss 
Fra Filippds verräth sodann die Dreieinigkeit in der Nationalgalerie zu 
London. Ausserdem gehört wohl dem jüngeren Meister die Predella,
        

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