Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264057
Buch. 
Mittelalter. 
Das 
in entgegengesctztem Sinne vor, wie der Löwe, der als Sinnbild der 
Starke ebensowohl Christus, den Löwen vom Stamme Juda bedeutet, wie 
den Widersacher, der da umgeht wie ein brüllender Löwe und suchct, 
welchen er verschlinge; ebenso die Schlange als Symbol des Versuchers, 
und im Bilde der hoch aufgcrichteten ehernen Schlange Erinnerung 
an den gekreuzigten Heiland. Der Haase bezeichnet den Christen, 
der sein Heil in Furcht und Zittern wirkt, aber auch die Vergäng- 
lichkeit des menschlichen Lebens. Den Durst der Seele nach dem 
Heil symbolisirt der Hirsch an der Quelle. 
Die Palme als Zeichen des Sieges, schon im klassischen Alterthum 
bekannt, wird in derselben Bedeutung auch in den christlichen Denk- 
mälern gefunden; die Heiligen und Verklärten tragen deshalb Palmen 
in den Händen. Auch der Oelzweig, der besonders im Schnabel der 
Taube angebracht wird, ist das Symbol des Triumphes, noch genauer 
des ewigen Friedens. Ebenso wird der Kranz oder die Krone als 
Zeichen des Sieges über Tod und Hölle verwendet. Die Lilie ist das 
Symboldcr Unschuld, die Waage das der Gerechtigkeit Gottes, das 
Dreieck Symbol der Dreieinigkeit, die Lampe Andeutung des himm- 
lischen Lichtes, das die Finsterniss der Erde erleuchtet, das Schiff 
nicht bloss Symbol des menschlichen Lebens, sondern specicll der 
christlichen Kirche. Der so häufig vorkommende Weinstock mit den 
Trauben ist nach der Parabel des Herrn das Bild Christi und seiner 
Gemeinde. 
Diese Bildersprache ist ein charakteristischer Grundzug der 
ältesten christlichen Kunst; aber sie ist nicht das einzige Ausdrucks- 
mittel. Es verbindet sich schon früh mit derselben das Streben, auch 
die biblischen Gestalten heranzuziehen; allein so stark herrschte in der 
frühesten Zeit der Idealismus der antiken Kunst vor, dass in den ersten 
Jahrhunderten das eigentlich Historische noch nicht zum Durchbruch 
kommt. Und doch, wie gross War der Gegensatz der christlichen 
Lehre zum antiken Mythos! Die griechisch-römischen Götter waren 
nur Personificationen von Naturkraften, denen sich im Lauf der Zeit 
allgemeine sittliche Begriffe unterschoben; aber niemals hatten Zeus, 
Athene, Apollo, Aphrodite Wirkliche Existenz gehabt. Bei den Christen 
war der Gottessohn Mensch geworden und hatte auf Erden gelebt, 
gelehrt, gelitten. Wie auch die fromme Sage ihre legendarischen 
Ranken um die Thatsachen winden mochte, die Erscheinung Christi, 
sein reines Erdenwallen, seine erhabene Lehre, sein Opfertod waren 
historische Thatsachen, gehörten zu den grössten Ereignissen der
        

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