Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267277
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Buch, 
Frührenaissance. 
die Enthauptung des Täufers, die Ueberbringung des Hauptes an 
Salome, die es knieend dem erschrockenen Herodes darreicht. Üeberall 
erfreut uns die volle Frische in der Schilderung der Vorgänge, Reich- 
thum lebensvoller Gestalten, Pracht der Kostüme, besonders in der 
zierlichen Tracht der Frauen mit den gefalteten Schleiern und köst- 
lichen Geschmeiden und glänzende Ausstattung der architektonischen 
Umgebung. Hier ist die Vollendung dessen, was Giotto mit noch 
unzureichenden Mitteln angestrebt hat; hier ist der weiteren Entwick- 
lung der Horentiner Kunst der Weg vorgezeichnet.  
An der linken Seite beginnt die Geschichte des h. Stephanus 
wiederum mit der beliebten Wochenstube; man sieht die Scene, wie 
ein grauenhaftes Unthier den Knaben in der Wiege durch ein anderes 
Kind zu vertauschen sucht. Dann giebt das Üngethüm ihn gegen das 
Geschenk eines Rehes wieder heraus. Weiter sieht man, wie der 
h. Stephanus zum Diakonen geweiht wird, eine Handlung voll feier- 
licher Würde. Sodann folgt die Heilung eines Besessenen und die 
Predigt des Stephanus. In der unteren Reihe ist die Steinigung des 
Heiligen und sodann seine feierliche Beisetzung dargestellt. Die letztere 
Scene ist eine der bedeutendsten der ganzen Reihenfolge; von ergrei- 
fender Wahrheit, wie er ausgestreckt im Mittelschiff einer Kirche da- 
liegt, von zwei grossartigen klagenden Frauen betrauert, die zu Häupten 
und zu Füssen der Bahre knieen, auf beiden Seiten celebrirende Geist- 
lichkeit und zuschauende Männer und Jünglinge, prächtige Porträt- 
gestalten voll Würde, die am meisten von dem Mark eines Masaccio 
haben. Hier liest man auch den Namen des Künstlers „FRATER 
FILIPPVS", der auf eine solche Leistung mit Recht stolz sein durfte. 
Ein zweites grosses Freskowerk hat Fra Filippo am Ende seines 
Lebens ausgeführt, als er nach Spoleto berufen wurde, um in der 
Apsis des Domes Darstellungen zur Verherrlichung der Madonna zu 
malen. Die Hauptscene ist die Krönung der Jungfrau, in welcher die 
feierliche Anordnung und die reiche Schönheit der umgebenden Engel- 
chöre wieder an'die Auffassung Fies0le's erinnern. (Fig. 97.) Nach 
unten schliesst die Darstellung mit einem Schleier ab, der die Sonne 
und die Gestirne enthüllt. Darunter in drei Abtheilungen das Leben 
der Madonna: die Verkündigung, die Geburt Christi, ihr Tod und ihre 
Verklärung, leider sehn zerstört, aber voll Adel und Schönheit im 
zartesten Stile des Meisters, der sich dabei in seinem Alter ebenso 
jugendlich rein und edel erweist, wie in seinen frühesten Werken: 
gewiss das stärkste Zeugniss von dem Adel seiner Künstlernatur.
        

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