Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267208
II. Kapitel. 
Die 
Schule. 
florentiner 
Erste 
Generation. 
301 
von einem Kreise theils stehender, theils knieender Verehrer umschlossen, 
eine Scene voll feierlicher Sammlung. (Fig, 94) Bezeichnend ist auch 
hier wieder die Bescheidenheit und Einfachheit der architektonischen 
Umgebung. Dass ein Theil dieses Bildes, und zwar von der Auf- 
erweckung des Knaben, durch Filippino Lippi vollendet worden ist, 
wird durch die Ausführung selbst bestätigt. Vasari berichtet, dass er 
dabei Bildnisse von Zeitgenossen angebracht habe, wie denn der Königs- 
sohn selbst den Maler Francesco Granacci darstellen soll. Man erkennt 
in diesen Werken eine Kunst, die statt der grossartigen Machtfülle 
Masaccids wenigstens durch den Reichthum individuellen Lebens zu fes- 
seln weiss. Die übrigen Bilder der Kapelle verrathen auch in der Erin- 
dung die Urheberschaft Filippinds und sind daher später zu besprechen. 
Leider sind die übrigen Werke Masaccids untergegangen. Nur 
ein Fresko der Dreieinigkeit ist erhalten, ehemals am Lettner, jetzt 
rechts vom Eingange in Sta. Maria novella in die Wand eingelassen 
und neuerdings leiderdurch Restauration fast völlig vernichtet. Doch 
sieht man noch in einer cassettirten Bogenhalle von meisterlicher Per- 
spektive, deren Formen den Geist Brunelleschfs athmen, die würdige 
Gestalt Gottvaters, der in altüblicher Weise das Kreuz mit dem daran 
ausgespannten Gottessohn in ausgebreiteten Armen vor sich hält, wäh- 
rend die Taube des h. Geistes über ihm schwebt. Mit ergreifendem 
Ausdruck der Trauer stehen zu beiden Seiten Maria und Johannes. 
Weiter unten knieen anbetend zur einen Seite der Stifter, ihm gegen- 
über seine Gemahlin, meisterhaft charakterisirt. Das ganze Werk fallt 
durch die treffliche Raumgliederung und den edlen architektonischen 
Rhythmus auf.   
Während Masaccio im Oarmine arbeitete, machte sich ein Knabe 
viel bei ihm zu schaffen, der 1420 in die Bruderschaft aufgenommen 
worden war und in der Klosterschule durch seine Abneigung gegen 
die Grammatik und andre Wissenschaften ebensosehr wie durch seine 
Vorliebe für die Malerei sich auszeichnete. Es war der früh verwaiste 
Sohn des Metzgers Tommaso Lippi, seit1414 in der Obhut einer 
armen Tante erzogen, die offenbar froh gewesen war, ihn bei den 
Oarmelitern unterzubringen. Fra Filippo, wie er im Kloster hiess, 
warf sich, als man ihn gewähren liess, mit ungewöhnlichem Talent 
und Eifer auf die Kunst, so dass er schon 1430 fähig" War, das Kloster 
mit Fresken und Altarbildern zu schmücken. Zwei Jahre darauf ver- 
schwindet der junge Mönch aus den Urkunden des Carmine, und 
Vasari erzählt, er sei nach Ancona gegangen, dort bei einer Lustfahrt
        

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