Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267189
Kapitel. 
Die 
ÜOTBUÜIIGI" Schule, 
Erste 
Generation. 
299 
des Zöllners noch bedeutsamer hervorgehoben wird, Die Gestalten 
haben meist etwas Gedi-ungcnes, fast Schweres, der Faltenwurf zeigt 
die grösste und machtvollste Einfachheit, am schönsten vielleicht bei 
dem Apostel an der äussersten Rechten, der, den Mantel übel. die 
linke Schulter geworfen, wie aus Erz gegossen dasteht. Vor diesen 
Werken hat, wie Vasari erzählt, eine ganze Reihe nachfolgender 
Generationen ihre Studien gemacht, und noch aus den Schöpfungen 
Älichelangelds und RafaePs empfinden wir diese Eindrücke. Bezeich- 
nend ist besonders noch im Gegensatz zu den aus derberem Schrot 
geformten Charakteren der Apostel der feine geistige Ausdruck Christi. 
Diese Hauptscenc wird dann links durch die Darstellung eingefasst, 
wie Petrus das Geldstück- aus dem Rachen des Fisches hervorholt, 
rechts durch die Scene, wie Petrus dem Zöllner den Tribut entrichtet, 
auch diese wieder in ihrer Einfachheit von schlagender Wahrheit. 
Der landschaftliche Hintergrund giebt wieder nur das Nothwendige, 
dieses aber vortrefflich. Alles ist erfüllt vom tiefsten, lebendigsten 
Dasein, die Modellirung von plastischer Fülle und doch ohne alle 
Harte und Kleinlichkeit, die Farbe ernst und tief im Ton. Im Gegen- 
satze zu dem bis dahin herrschenden lichten, heiteren Kolorit drückt 
auch sie die unvergleichliche Geistestiefe der Gestalten bezeichnend aus. 
Die folgenden Bilder sind, nachdem Masaccio das Werk unvoll- 
endet hinterlassen hatte, .v0n Filippino Lippi, zum Theil gewiss im 
Wesentlichen nach den Compositionen seines Vorgängers, vollendet 
worden. So zunächst an derselben Wand das untere grosse Bild, 
welches die Auferweckung des Königssohnes und Petrus thronend dar- 
stellt. Die Legende erzählt, Petrus habe in Antiochien den längst 
gestorbenen Sohn des Fürsten dieser Stadt, Theophilus, vom Tode er- 
weckt, worauf dann der Fürst sammt dem ganzen Volke zum Christen- 
thum übergetreten sei und eine prächtige Kirche errichtet habe mit 
einem Thron, auf welchen Petrus gesetzt wurde. Masaccio hat diese 
Scene mit einer reicheren Figurenzahl ausgestattet, als die übrigen 
Darstellungen. (Fig. 93.) An der Seite links thront in einer Nische 
der Fürst in dunklem Knebelhart und rundem Filzhut, mit dem Aus- 
druck zurückhaltender Klugheit dem Vorgange zuschauend. Ueberaus 
lebendig ist die Bewegung des einen seiner Rathe, welcher zu ihm 
aufblickt, als wolle er nach dem Eindruck des Ereignisses forschen. 
Alle übrigen sind auffallend ruhig und gelassen. So auch die ansehn- 
liche Zahl würdiger Männer, offenbar Zeitgenossen in der Tracht jener 
Tage, welche wie eine ernste Rathsversammlung den Apostel umringen.
        

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