Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267129
Kapitel. 
florentinel" 
Die 
Schule. 
Generation. 
Erste 
295 
Tribut der Anerkennung zollte, indem er die Composition einfach in 
seine Bibel aufnahm. Die Verschiedenheit der beiden Gruppen hat dazu 
geführt, die erstere dem Masolino beizulegen. Es wird aber genügen 
anzunehmen, dass Masaccio mit ihr seinen Cyclus begonnen hat. 
An sie schliesst sich in der Reihenfolge das grosse Bild der 
Heilung des Krüppels und der YViedererWeckung der Tabitha, Welches 
man ebenfalls dem Masolino zugeschrieben hat. Schon hier ist in 
wenigen Figuren Alles auf's Ergreifendste ausgedrückt. Rechts er- 
blickt man in einer offenen auf Holzpfeilern ruhenden Halle die Tabitha, 
wie sie sich, eben noch von Leichentüchern umhüllt, auf der Bahre 
aufrichtet und mit geisterhaftem, kaum in's Leben zurückgekehrtem 
Blick innig den Apostel anschaut, dessen würdige Gestalt am Eingang 
erscheint und beschwörend die Rechte erhebt. Ein Mann im Turban 
und zwei gewaltige Greisengestalten neben der Bahre drücken mäch- 
tiges Erstaunen, ja fast Entsetzen aus; eine Matrone und eine schöne 
junge Frau, die daneben knieen, Gestalten von der idealen Anmuth 
eines Fiesole, blicken mit dem Ausdruck der Ergriffenheit auf den 
WVunderthäter. Man kann eine solche Scene nicht einfacher und 
packender geben; es ist der Geist Gi0tto's, verbunden mit den voll- 
endeten Formen einer tieferen Naturerkenntniss. Auf der entgegen- 
gesetzten linken Seite des Bildes naht die grossartige Gestalt des 
Apostels mit seinem Begleiter sich erbarmend dem hülflosen Krüppel, 
der mit einem Blick innigen Flehens die Rechte verlangend nach dem 
Retter ausstreckt. Wie aus Granit gehauen oder in Erz gegossen 
sind diese Apostelgestalten, denen man ohne Weiteres die höchste 
Wunderkraft zutraut. Die Verbindung beider Gruppen hat der Künst- 
ler durch zwei charakteristische junge Männer im Zeitkostüm, die man 
als Gefolge des Apostels auffassen kann, hergestellt. Er hätte kein 
glücklicheres Mittel finden können als diese anmuthigen, aber indiffe- 
renten und gleichsam neutralen Figuren, die nicht bedeutend genug 
sind, um das Interesse von den beiden Hauptgruppen abzulenken lllld 
doch dem Auge eine angenehme Abwechslung bieten. Wie gern lasst 
man sich solche sparsam verwendete Lückenbüsser gefallen! Den 
Hintergrund bilden Gebäude von einfachster schmuckloser Art, wie 
sie das damalige Florenz zur Genüge darbot.  
An der anstossenden Altarwand wird die links befindliche Predigt 
Petri, welche Vasari ebenfalls dem Masolino zutheilt, auch zu den 
früheren Arbeiten Masaccids gehören. (Fig. 90.) Es ist wiederum 
eine einfache Scene, bei welcher die Mannigfaltigkeit in der Schilde-
        

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