Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1267099
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Buch. 
Die Frührenaissance. 
Verschwendung ihren Bildern durch landschaftliche Gründe, architekto- 
nisches und plastisches Beiwerk höchsten Reichthum zu geben suchen." 
Mit männlicher Besonnenheit giebt dieser grosse, als Jüngling gestorbene 
Meister überall nur das Wesentliche, dieses aber mit der zwingenden 
Macht der Nothwendigkeit. Ebenso sparsam ist Masaccio im Einstreuen 
von Nebenfiguren, von porträtartigen Gestalten im.Zeitkostüm, die er 
mit ähnlicher Behutsamkeit anwendet wie Giotto, während dieselben 
bei seinen Nachfolgern zu einem Chor theilnehmender Zuschauer an- 
wachsen. 
Nach Vasarfs Bericht empfing Masaccio die erste Unterweisung 
bei Masolino, studirte bei Brunelleschi die Perspective und bei Donatello 
die Verkürzung und die Anatomie. Seinem regen Geiste blieb nichts 
von den bedeutenden Bestrebungen seiner Zeitgenossen fern; mit 
erstaunlicher Auifassungskraft und genialer Frühreife wusste er sich 
Alles anzueignen, wonach die Meisten mühsam und oft einseitig genug 
rangen. In ihm zuerst fand das gesammte Streben der Zeit den har- 
monischen Ausdruck. Wenn Vasari ihm die Fresken von S. Clemente 
zuschreibt und manche Forscher ihm darin folgen, so vermögen wir 
unsrerseits dort nur die Hand Masolino's zu erkennen. Möglich aber, 
dass Masaccio dabei seinen Meister unterstützt hat. Da wir gesehen 
haben, dass jene Werke jedenfalls vor 1420 entstanden sein müssen, 
so können wir unmöglich sie dem damals neunzehnjährigen Masaccio 
zuschreiben. Hat er aber damals, woran wir nicht zweifeln, seinen 
Meister nach Rom begleitet, so empfing er gewiss durch die Werke 
des klassischen Alterthums jene tiefdringenden Eindrücke, welche in 
seiner jungen empfanglichen Seele eine verwandte Grösse der An- 
schauung und des Stiles weckten.- Das unbestrittene Hauptwerk seines 
Lebens sind die Fresken der Cappella Brancacci im Carmine zu 
Florenz. Auch hier hat Vasari uns Nachrichten hinterlassen, welchen 
wir nicht unbedingt Glauben zu schenken vermögen. Ein Theil dieser 
Bilder soll nach ihm von Masolino begonnen worden sein, nach dessen 
Tode hätte dann Masaccio diese Werke vollendet. Da wir jetzt aber 
wissen, dass umgekehrt Masolino seinen Schüler um fast zwanzig Jahre 
überlebte, so geht daraus schon die Unrichtigkeit jener Angabe hervor. 
Wohl liegt hier eine richtige Wahrnehmung zu Grunde: dass eine 
Anzahl dieser Werke noch nicht die volle Grossartigkeit und Freiheit 
zeigt wie die übrigen; allein dies erklärt sich ohne Zwang aus der 
fortschreitenden Entwicklung des Meisters. In der That erfahren wir 
bei Vasari von einer Unterbrechung der Arbeit, denn zuerst habe der
        

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