Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264026
Kapitel. 
Epoche. 
Altcluristliclue 
muss man die Ansicht von der Bilderscheu der ersten Christen bedeu- 
tend modificiren und vielmehr eingestehen, dass trotz jener strengeren, 
selbst von einflussreicher Seite ausgehenden Auffassung die naive Freude 
an künstlerischen Werken als Erbtheil griechisch-römischer Bildung 
auch bei den Christen den Sieg davongetragen hat. 
Dies kommt in hervorragender Weise bei den Wand gemäl den 
der Katakomben zum Vorschein. Was war natürlicher, als dass 
man in jenen Zeiten der Bedrückung, WO sich die Mitglieder der 
Gemeinde durch die gemeinsame Gefahr nur um so inniger verbunden 
fühlten und, umdrängt von einer feindlichen Welt, ihre Zuflucht zu der 
Hoffnung auf den Erlöser und auf die ungetrübte Seligkeit einer besseren 
Welt nahmen, diesen Uebcrzeugungen einen Allen verständlichen Aus- 
druck zu geben suchte. Zumal an jenen feierlichen Orten, wo die 
Hoffnung auf ein besseres Jenseits, WO die Verachtung der Lockungen 
dieser Welt in langen Reihen stummer Zeugen einen ergreifenden 
Ausdruck fand. Gewiss bilden die düsteren Schachte und engen 
Kammern der christlichen Katakomben einen scharfen Gegensatz zu 
der heiteren Anmuth und der glänzenden Pracht der Grabmäler des 
heidnischen Rom. Aber etwas von dem Schmuck jener antiken Werke 
hat sich wie ein erfreuender Schimmer auch über diese düsteren Statten 
ausgebreitet und der ernsten Resignation das wehmüthige Lächeln der 
Hoffnung beigemischt. Als Hülle für ihre Gedanken bot sich aber 
den christlichen Künstlern nichts als die abgetragenen und abgelegten 
Kleider der antiken Kunst. Während diese selbst indess immer mehr 
verwildert, während aus ihren gedankenlos wiederholten Götterbildern 
die hohle Leere des Ünglaubens uns wie mit todten Augen anstarrt, 
ist es ergreifend zu sehen, wie dieselbe Formenwelt unter den Händen 
der christlichen Künstler, trotz aller Dürftigkeit der Ausführung, einen 
Hauch von neuer Beseelung gewinnt, Weil in ihnen sich Glaube und 
Hoffnung, sich eine grosse Zukunft ahnungsvoll ausspricht. Die letzten 
Abendstrahlen der antiken Kunst mischen sich wie in den langen 
Sommertagen mit dem ersten Aufdammern des Morgenroths einer 
neuen Zeit. 
Gleiehwehl darf man mit hohen künstlerischen Erwartungen an 
diese Werke nicht herantreten. Im Ganzen theilen sie, formell be- 
trztchtet,  die Eigenschaften der Kunstwerke des sinkenden Kaiserrcichs, 
nur dass sie in der technischen Ausführung und dem künstlerischen 
Werth meist um einige Stufen tiefer stehen als die gleichzeitigen 
Schöpfungen der heidnischen Kunst. Die wenigen christlichen Künstler,
        

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