Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266967
Kapitel. 
florentiner 
Die 
Schule. 
Erste 
Generation. 
279 
Putzen gelitten, aber man erkennt noch die gediegene Zeichnung und 
die ungemein energische Action. Von rührender Anmuth ist der zarte 
Prinz, der fast ein Kind noch an der Seite des wettergehärteten Alten 
reitet. Die schweren Rosse und Reiter erinnern stark an Donatglhfg 
und Verrocchids Reiter-Statuen. Am Boden liegt in kühner Ver- 
kürzung ein gefallener Krieger; das violette Felsengebirge ist mit 
Figuren Kämpfender und Fliehender bedeckt. Ein dichter Hain von 
Rosen und Orangen giebt der Scene eine poetische Stimmung und be- 
weist, dass Vasari Recht hat, wenn er den landschaftlichen Darstellungen 
Üccelli's hohes Lob ertheilt.  Noch bedeutender vielleicht zeigt sich 
der Künstler in der grau in grau gemalten Reiterfigur des Condottiere 
John Hawkwood (Acuto), welche er um 1436 für den Dom von 
Florenz malte. Hoch an der Wand auf ebenfalls gemalten Consolen 
über dem linken Eingang angebracht, frappirt sie durch mächtige 
Energie und meisterhafte perspektivische Wirkung. Es war gleichsam 
die Abschlagszahlung der Republik auf ein plastisches Denkmal, das 
nicht zu Stande kam. Endlich besitzt die Sammlung des Louvre 
die schon von Vasari erwähnten Bildnisse von Giotto, Donatello, 
Birunelleschi, Uccelli und Antonio Manetti, Werke von grossartiger 
Kraft und energischer Auffassung, deren tiefes und glühcndes Kolorit 
indess auf spätere Erneuerung deutet. 
Uccelli hat in einem langen thatigen Leben noch zahlreiche 
Werke geschaffen, die aber grösstentheils untergegangen sind: so die 
Scenen aus dem Leben des h. Benedict im Kloster degli Angeli, ein- 
farbige Fresken im Kreuzgang von S. Miniato, Darstellungen aus dem 
Leben des h. Franziskus in Sta. Trinita, und allerlei Thierstücke im 
Palazzo Medici. Auch auswärts war der Künstler thatig. Wenn es 
sich auch nicht nachweisen lässt, dass er, wie Vasari behauptet, mit 
Donatello nach Padua gegangen sei, so hat er doch eine Zeitlang 
dort gelebt und Arbeiten ausgeführt, welche allerdings nicht mehr 
vorhanden sind. In hohem Alter finden wir ihn zu Ürbino, ohne dass 
wir indess Genaueres über seinen dortigen Aufenthalt wüssten. Aus 
dem Jahre 1469 existirt eine Urkunde, in welcher er erklärt, dass er 
73 Jahre alt, mittellos und arbeitsunfähig sei. Wahrscheinlich starb 
er bald darauf und wurde in Sta. Maria Novella begraben. Vasari 
war daher nicht im Unrecht, wenn er von ihm sagt, dass er durch 
seine unablässigen perspektivischen Studien in Armuth gerathen sei. 
Eine ähnliche Üebergangsstellung nimmt Andrea del Castagno 
ein, der 1390 in der Umgebung von Florenz von armen Landleuten
        

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