Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266949
Kapitel. 
florentiner 
Die 
Schule. 
Erste 
Generation. 
277 
schliesslich die Nachahmung der Wirklichkeit und die Ergründung 
ihrer Gesetze im Auge haben. Am deutlichsten erkennt man dies 
an den in Terra verde ausgeführten Fresken der Kreuzgänge von 
Sta. Maria Novella, Welche T1446 auf Kosten eines florentiner 
Privatmannes gestiftet Wurden. Sie geben Scenen aus der Schöpfungs- 
geschichte und zwar zunächst die Erschaffung der Thiere, wobei des 
Künstlers grosse Vorliebe für allerlei Gethier sich bemerklich macht. 
Dann folgt die Erschaffung der ersten'Menschen, der Sündenfall und 
die Vertreibung aus dem Paradiese, die Arbeit der Ausgestossenen, 
das Opfer und die Ermordung Abels, endlich der Bau der Arche, 
Wichtiger als diese Bilder ist die Darstellung der Sündfluth, wo der 
Künstler bemüht War, die Schrecken der entfesselten Elemente, Blitz 
und Ungewitter, Sturm und Wassersnoth auf's lebendigste zu schildern. 
In der That ist das Bild angefüllt mit Scenen des Grausens: Menschen, 
die sich durch Schwimmen oder zu Ross zu retten suchen; ein Andrer, 
der in einer offenen Tonne dahin treibt, stemmt mit angstvollen Ge-i 
berden sich mit beiden Armen auf den Rand derselben, um sich über 
Wasser zu erhalten. Einer hat neben einem Bären einen sicheren 
Fleck erreicht, von dem er mit Keulenschlägen einen heranschwimmen- 
den Löwen vertreibt. Ganz vorne links sucht ein Jüngling auf einem 
mit letzter Kraft schwimmenden Pferde sich zu retten und mit dem 
Schwert sich eines mit der Keule ihn bedrohenden durch das Wasser 
watenden Mannes zu erwehren. Daneben wird ein Mensch von de1' 
Gewalt des Sturmwinds hart an die Wand eines Gebäudes gedrückt, 
auf dessen Stufen er sich geflüchtet hat. Rechts sieht man in kühnen 
Verkürzungen einen Haufen todter Leiber hingestreckt, die einen Raben 
zum schauerlichen Frass angelockt haben. Vorn in der Mitte des 
Bildes, ebenfalls in starker Verkürzung von hinten, ist ein Weib dar- 
gestellt, das einen Greis in den Armen halt, mit dem sie den Rücken 
eines schwimmenden Büffelstiers zum Sitz erkoren hat. Gleich daneben 
steht wunderlicher Weise ein stattlicher Mann in langem Mantel, dessen 
Füsse von einem eben Ertrinkenden umklammert werden, ohne dass 
ihn alles das im Mindesten anficht. Dann wieder zeigt sich aus dem 
Fenster der Arche herausgelehnt der gerettete Noah, mit mild ver- 
abschiedender Handbewegung. Man muss gestehen, so trefflich alles 
Einzelne dargestellt ist, so bildet das Ganze doch nur ein Gewirr zu- 
sammengewiirfelter Scenen, bei denen das Streben nach allerlei per- 
spektivischen Kunststücken zu absichtsvoll hervortritt, um den Be- 
schauer irgendwie stimmungsvoll ergreifen zu können.  In Noalfs
        

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