Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1264015
Buch, 
Mittelalter. 
Das 
hatte sich in den Dienst des Casarenthums begeben, nicht mehr um 
wie in den früheren Zeiten die Ideale des griechischen Volksgeistes 
zu verklälren, sondern um dem Luxus zu fröhnen, der Macht zu schmei- 
cheln, der entfesselten Sinnlichkeit eines Lebens zu dienen, welches 
die Reichthümer einer halben Welt den zügellosen Begierden der 
Hauptstadt zu Füssen legte. Kein Wunder, dass die Lehre Dessen, 
der die Schätze und den Prunk dieser Welt verachtete, der auf Reinheit 
der Gesinnung drang und ausdrücklich betonte, sein Reich sei nicht 
von dieser Welt, sich von solcher Kunst mit tiefer Scheu abwenden 
TIlüSSte. Ja, es wäre wohl zu begreifen, wenn die ersten Christen in 
der That durch diese Gesinnungen und solche Wahrnehmungen zu 
der entschiedenen Bilderfeindlichkeit gelangt waren, die man ihnen oft 
nachgesagt hat. 
Aber die Praxis war, wie so oft, milder als die Theorie, und 
auch die Theorie wurde nur durch die extreme Partei strengster Ascese 
vertreten. Denn gegen jene abstrakte Bildlosigkeit des Judenthums 
regte sich schon früh im Schooss der christlichen Gemeinde jene Liebe 
zu den holden Schöpfungen der Kunst, welche das natürliche Erbtheil 
des griechisch-römischen Alterthums war. Nicht umsonst hatten seit 
Jahrhunderten griechische Meister die Welt mit Wunderwerken der 
Kunst geschmückt; nicht umsonst hatte Rom aus allen Ländern seines 
Weltreiches Tausende von Meisterwerken zusammengeschleppt, um seine 
öffentlichen Platze, seine Tempel, Thermen, Paläste anzufüllen. Der 
Sinn für schöne Formen, die Freude an künstlerischen Werken War 
Gemeingut geworden; überall empfand man das Bedürfniss, selbst die 
Gerathe des täglichen Lebens in zierlicher Form und mit sinnigem 
Schmuck ausgestattet zu sehen. Auch die ersten Christen nahmen 
Theil an diesem allgemeinen Gefühl, und das  ascetische Judenthum 
mit seiner Bildlosigkeit erfuhr dadurch eine Reaction zu Gunsten der 
bildenden Künste. Man erkennt dies deutlich an den zahlreichen 
Funden der Katakomben, an den irdenen und bronzenen Lampen mit 
ihren zierlichen Formen und ihren christlichen Emblemen, dem Mono- 
gramm Christi, der Taube, dem Lorbeerkranz u. s. w., an den Sarko- 
phagen mit ihrem reichen bildnerischen Schmuck, an den kleinen 
Glasschalen mit gravirten Darstellungen auf eingelegten Goldplättchcn, 
die besonders oft die Brustbilder der Apostelfürsten, aber auch, wie 
jene beiden in Köln gefundenen Gläser, andere biblische Geschichten, 
Daniel unter den Löwen, Jonas vom Wallfisch ausgespieen, die drei 
Knaben im Feuerofen u. dcrgl. enthalten. Erwägt man dies Alles, so
        

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