Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266734
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Buch. 
Frührenaissance. 
Die 
die Anzahl der in einem Bilde darzustellenden Figuren gern auf zehn 
beschränken möchte. Aber man empfindet zugleich in dieser Frucht- 
barkeit den ganzen Reichthum der Jugend, die ihr Füllhorn ver- 
schwenderisch ausschüttet, weil sie es für unerschöpflich hält. 
Was der Malerei jener Epoche als höchstes Ziel vorschwebt, er- 
kennen wir klar aus Alberti's Traktat. Er bezeichnet das Historien- 
bild als die eigentliche Aufgabe dieser Kunst, verlangt aber vom 
Künstler, dass er die ganze Welt der Erscheinungen 'studire, damit 
sein Werk durch Lebensfülle sich auszeichne. Üeberall weist er auf 
(lie Natur als die höchste Lehrmeisterin und tadelt jene Thoren, Welche 
sich Dnur an ihre eigenen Fehler gewöhnen", indem sie das unab- 
lässige Studium der Natur hintansetzen. Eine Rüge, die offenbar die 
späten Giottisten im Auge hat, bei welchen längst ein conventionelles 
Naehbeten überlieferter Formen eingerissen war. Wenn die Gestalt 
eines würdigen bekannten Mannes in einem Gesehichtsbilde sei, so 
werde diese eben durch die Kraft der Neturwahrheit die Aufmerksam- 
keit 
besonders 
fesseln. 
Mit 
Welchem 
Eifer 
Maler 
diesen 
Rath 
befolgt haben, davon zeugen die zahlreichen zeitgenössischen Bildnisse 
auf allen Compositionen jener Epoche. Dennoch ist er weit entfernt, 
die gemeine Wirklichkeit zu empfehlen; vielmehr soll der Maler das 
Beste auswählen, denn das letzte Ziel der Kunst sei nicht äussere 
Naturtreue, scndern Schönheit. Um diese zu erreichen, soll der Maler 
unablässig das Leben beobachten, und die einzelnen in der Wirklich- 
keit zerstreuten Elemente des Schönen zu verbinden suchen, indem er 
sie durch fleissiges Studium zu seinem geistigen Eigenthilm macht. 
Daher verlangt er auch vom Künstler mehr als das gewöhnliche ltlaass 
technischer Bildung; er soll in allen schönen Künsten erfahren sein, 
eine wissenschaftliche Grundlage besitzen, namentlich die Geometrie 
kennen, die Werke der Dichter und Redner studireil und endlich sich 
edler Sitten und eines feinen Gefühles für Anstand und Schicklichkeit 
beiieissigen. Man sieht, wie hoch Alberti den Berilf des Malers stellt; 
meint er doch sogar, der Architekt habe vom Maler seine Architrave, 
Säulen, Friese, Basen und die andern Formen entlehnt. So hoch dachte 
jene Zeit von der Malerei. 
Bezeichnend für den Standpunkt des Humanisten ist es, dass 
Alberti seine Beispiele meist dem klassischen Alterthum entlehnt, in 
dessen Kunstgeschichte er nach Maassgabe seiner Zeit sich wohlbewan- 
dert zeigt. Dagegen spricht er von der Malerei seiner Epoche sehr 
geringschätzig, und es ist, als habe er die Werke des grossen Bahn-
        

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