Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263999
Buch. 
Das 
Mittelalter. 
entwickelt, der durch die Ueberreste antiker Abstammung, verbunden 
mit dem stahlhaltigen Blut germanischer Ansiedler, zu einer Kultur- 
ontfaltilng vorbestimmt scheint, in welcher das künstlerische Element 
die erste Stelle einnimmt. Trcibt der germanische Norden den Men- 
schen zur Einkehr in's Innere, zu grüblerischem Versenken in eine 
abstrakte Gedankenwelt, so reizt das südliche Blut zu frischer sinn- 
licher Auffassung der Aussenwelt, zu künstlerischer Verklärung der 
Wirklichkeit. Die Milde des Klimas förderte dann die edle Entwick- 
lung eines Menschcnschlagcs, der von Haus aus eine vornehme Eigen- 
art in Bau, Gebärden und Bewegungen bekundet, durch plastisch feine 
Gliederfügung, intensive Carnation, feurigcs Auge, Sinn für Rhythmus 
der Erscheinung sich auszeichnet. Gehoben wird dies Alles durch ein 
freies, natürliches Selbstgefühl, in Welchem das Bewusstsein einer ur- 
alten Kultur, der Stolz auf die Herrlichkeit der klassischen Vorzeit 
mit adliger Anmuth ausklingt. Im Vergleich mit den hastig unrhyth- 
mischen Franzosen, mit den schwerfalligen Deutschen tritt dieser Vor- 
zug italienischen Volksthums noch deutlicher zu Tage. Verbinden wir 
damit eine fast antike Einfachheit und Natürlichkeit der Sitte, der 
Tracht und Lebensgewohnheiten, so haben wir die Elemente aufgezählt, 
welche gerade auf diesem Boden die höchste Blüthe der Kunst be- 
günstigten. 
Die Betrachtung des Entwicklungsganges der italienischen Malerei, 
zu der wir nunmehr schreiten, ist eins der edelsten Schauspiele, welche 
die Kulturgesehichte der Menschheit bietet. 
Leise und unvermerkt, wie das Christenthum selbst, dringt die 
christliche Kunst in den Kreis des antiken Lebens. Nicht im klaren 
Lichte des Tages, das die glanzvollen Denkmäler der römischen Kaiser- 
zeit bestrahlte, sondern verborgen und in Nacht gehüllt, wagt das 
künstlerische Gefühl der ältesten Christen in den unterirdischen Grüften 
der Katakomben seine ersten schüchternen Schritte. Niemals, 
soweit wir die geschichtliche Entwicklung verfolgen können, hat eine 
neue grosse Epoche der Kunst einen ähnlichen Anfang genommen. 
Wo die Kunst sonst entstand, war sie das Ergebniss der Anschauungen 
eines ganzen Volkes, einer ganzen Zeit, deren gemeinsames Verständ- 
niss ihre Entfaltung mächtig hob und begünstigte. Nichts von alledem 
bei der altchristlichen Kunst. Als Ausdruck der religiösen Anschauungen 
einer fremden Sekte, die den Heiden nur ein Gegenstand des Spottes
        

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