Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266680
Kapitel. 
Kultur der italienischen Frührenaissance. 
Die 
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In seinem Palast zu Ürbino war dann der Sammelpunkt der erlauch- 
testen Geister, und der Herzog selbst ging in der Liebe zu den Wissen- 
schaften Allen voran. Während der Tafel liess er sich aus Livius 
vorlesen, Nachmittags wohnte er den Vorträgen der Gelehrten bei, 
Abends leitete er selbst die gymnastischen Uebungen der jüngeren 
Hofleute, und mit seinem hohen kriegerischen Ruf verband er eine 
solche Leutseligkeit der Gesinnung, dass die Ünterthanen, wenn er 
durch die Strassen ging, niederknieten und ihm zuriefen: „Dio ti man- 
tenga Signore." 
Ein ganz anderes Charakterbild gewährt der ruchlose Beherrscher 
von Rimini, Sigismondo Malatcsta, in dessen düsterer Gestalt die Be- 
geisterung für das klassische Alterthum, für Wissenschaft und Kunst 
den Lichtpunkt ausmacht. Als er die Kirche S. Francesco durch Leo 
Battista Alberti in ein prachtvolles Renaissancegewand hüllen liess und 
sie nicht bloss mit Denkmälern für sich und seine Gemahlin Isotta 
schmückte, sondern auch in den Hallen der Aussenseite Sarkophage 
für berühmte Männer seiner Zeit aufstellen liess, durfte Aeneas Sylvius 
nicht mit Unrecht sagen, der Bau scheine nicht sowohl ein Tempel 
für die Verehrung der Christen, als der ungläubigen Genien zu sein. 
In Ferrara war es Herzog Borso, der mit dem Bau prachtvoller Paläste 
begann, die dann Ercole weiter ausführen und mit Kunstwerken 
schmücken lies. Die grossartige Anlage der Stadt mit ihren geraden 
breiten Strassen ist eins der frühesten und vollstandigsten Beispiele 
einer regelmässigen modernen Fürstenresidenz. Freilich blieb ihre 
fernere Entwicklung hinter den grossen Plänen ihres Gründers er- 
heblich zurück. 
Es würde zu weit führen, auch nur mit kurzen Zügen anzu- 
deuten, wie alle Fürstenhöfe Italiens in grossartigen baulichen Unter- 
nehmungen wetteiferten. Es genügt anzudeuten, dass dieselbe Gesin- 
nung auch die municipalen Verwaltungen beseelte, und dass nicht bloss 
die grossen, sondern selbst die kleinen und kleinsten Städte hinter der 
allgemeinen Bewegung nicht zurückbleiben wollten. Erst aus dieser 
_ Gesinnung gewann die Architektur jener Zeit das Gepräge einer un- 
vergleichlich reichen Jugendkraft. 
Gleichen Schritt mit der Architektur hält die innig an sie ge- 
bundene Plastik. Für sie sind die Studien nach der Antike indess 
während der Frührenaissance bei Weitem nicht so durchschlagend als 
man denken sollte. Wohl zeichnen sich Ghibl-IYWS Figuren, nament- 
lich an der berühmten zweiten Pforte des Baptisteriums zu Florenz
        

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