Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266675
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Buch. 
Die Frührenaissance. 
werth genug ist mehr griechische Feinheit als römische Ueppigkeit 
in diesen Werken zu spüren. Leo Battista Alberti gab dann seiner 
Begeisterung für die Antike Ausdruck in dem an das Pantheon eri11- 
nernden Chor der Annunziata in Florenz und in dem marmornen 
Ruhmestempel von S. Francesco in Rimini, welchen Sigismondo Mala- 
testa für sich und seine geliebte Isotta erbauen liess. Bald darauf 
entstand der noch wohlerhaltenc Palast des edlen Federigo von Monte- 
feltro zu Ürbino, der vollkommene Typus einer Fürstenresidenz der 
Frührenaissance; Aeneas Sylvius aber liess als Pius II. in seinem 
Geburtsort Corsignano eine vollständige Stadt mit päpstlichem Palast, 
Dom, Vescovado und andren Palästen unter dem Namen Pienza erstehen. 
Die grosse Entwicklung der Architektur ist der unmittelbare 
Ausdruck einer den Italienern jener Zeit in hohem Maasse eigenen 
Leidenschaft, die neben der Passion für Bücher, für die Literatur den 
ersten Rang einnimmt: die Lust an Bauten. Bücher und Bauten, 
Literatur und Architektur sahen wir schon bei Nicolaus V. gepaart. 
Nach Nicolaus V. war Pius II. der erste baulustige Papst, aber er 
wandte, wie gesagt, sein Interesse dem unscheinbaren abgelegenen 
Orte zu, der ihm das Leben gegeben hatte, wo man nun mitten in 
der Wildniss über die verfallende Pracht der von ihmlaufgeführten 
Bauten erstaunen muss. Zu den grössten Erneuerernder ewigen Stadt 
gehört dagegen Sixtus IV. della Rovere (1471-1484), der das damals 
von den mittelalterlichen Stürmen halb verwüstete Rom zu einer modernen 
Stadt umzugestalten begann. Er iing mit Strassencorrectionen an, 
erbaute die Via Sistina und den Ponte Sisto, gab den engen Gassen 
mehr Luft und Licht, stellte die Acqua Vergine wieder her und ver- 
schaffte der ewigen Stadt die Wohlthat des köstlichsten Gebirgswassers, 
begann den Umbau und die Vergrösserung des Vatikans, vor Allem 
die sixtinische Kapelle, zu deren Ausstattung er die namhaftesten 
Künstler Toskana's berief; restaurirte die Kirchen S. Apostoli und 
S. Pietro in vincoli, erbaute S. Sisto und Sta. Maria del Popolo und 
vollendete die Prachtanlage der Vatikanischen Bibliothek, für die er 
den Platina als Bibliothekar berief und als deren eigentlicher Be- 
gründer er gilt. 
In ähnlicher Weise wetteiierten die verschiedenen grösseren und 
kleineren Gewaltherrscher in Ausführung prachtvoller Bauten und in 
jeder Art von Kunstpflege. Der grosse Federigo von Montefeltro er- 
richtete nicht bloss den herrlichen Palast von Urbino, sondern auch den 
ebenfalls mit seinen reizenden Hofarcaden noch vorhandenen von Gubbio.
        

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