Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266669
Kapitel. 
der italienischen Frührenaissance. 
Kultur 
Die 
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Und selbst diese Vorbilder gelten nur für Architektur und Plastik; erst 
in zweiter Linie, durch Vermittlung der Skulptur auch für die Malerei. 
So wurde die letztere von vorn herein freier gestellt, konnte sich un- 
befangener der Natur als der höchsten Lehrmeisterin hingeben, Auch 
diesmal sollte, wie zu Niccolo und Giovanni Pisano's Zeiten, die Plastik 
der Malerei in-der Entwicklung vorausgehen.   
An die grossen Namen Brunellesco, Donatello, Ghiberti knüpft 
sich die Neugestaltung der Kunst. Durch sie vor Allem behauptet 
auch jetzt Florenz die Führerschaft "im künstlerischen! Leben, Wie 
diese Männer, erregt von dem humanistischen Drange nach der Herr- 
lichkeit des Alterthums, der Florenz erfüllte, sich begeistert in das 
Studium der antiken Ueberreste stürzen, wie sie in den Ruinen der 
römischen Campagna monatelang verweilen, mit Nachgraben, Zeichnen, 
Messen die alten Denkmäler sich zu eigen machen, so dass das Volk 
sie für Schatzgräber hält; wie die blosse Kunde von Auffindung einer 
antiken Statue sie so erfasst, dass sie stehenden Fusses eine meilen- 
Weite Wanderung antreten, um die Herrlichkeit zu schauen, davon 
und von manchem ähnlichen Zuge sind die Biographieen Vasarfs an- 
gefüllt. Zur Verwirklichung sollte das neue architektonische Ideal 
kommen, als Brunellesco 1420 in der Concurrenz von Baumeistern aller 
Länder um den Ausbau der Kuppel von S. Maria del Fiore den Sieg 
davon trug. Mit einer der riesigsten und kühnsten Constructionen 
aller Zeiten sollte die neue Bauweise ihren Siegeseinzug halten in die 
staunende Welt. Wie dieser grosse Meister dann für alle Haupt- 
gestalten architektonischer Coneeption mustergiltige Vorbilder hinstellte, 
für die fiachgedeckte Basilika in S. Lorenzo und S. Spirito, für die 
kleinere Ordenskirche in der reizvollen Badia bei Fiesole, für die Central- 
anlage in Kapellenform in der poetischen Oappella Pazzi und der 
Sakristei von S. Lorenzo, endlich für den Profanbau in dem gigan- 
tischen Palazzo Pitti und dem zierlicheren Palazzo Quaratesi, das kann 
hier nur angedeutet werden. 
Die Saat, die er ausgestreut hatte, verbreitete sich wie auf Windes- 
flügeln über ganz Italien. Von Mailand bis Neapel drang der Einfluss 
dieser edlen florentiner Architektur. Der Ruhmsinn hatte daran weit 
grösseren Antheil als die Religiosität. Ihm verdanken auch die zahl- 
reichen köstlichen Grabmäler ihre Entstehung, die mit den Altären, 
Kanzeln, Sakristeibrunnen, Taufbecken u. dgl. Zeugniss von dem an- 
muthigen Zauber ablegen, mit welchem diese jugendlich frische Kunst 
das Gebiet der antiken Ornamentik aufzufassen wusste. Und bemerkens-
        

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