Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266651
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Buch. 
F rührenaissapnce. 
Die 
ist erst dem subjektiven Bewusstsein möglich. Erst wo dieses sich 
frei über seine Umgebung erhebt, die aufgedrungenen Maassstabe der 
Tradition bei Seite wirft, ist ein Erkennen der Welt möglich. Dies 
führte nun" gerade in Italien zu jener Reihe epochemachender Ent- 
deckungen, die ohne den Geist der Renaissance gar nicht zu denken 
waren. 
Zu den grossen Bahnbrechern gehört Leo Battista Alberti, der, 
aus einer alten vornehmen Horentiner Familie entsprossen, den huma- 
nistischen Bestrebungen seiner Zeit sich voll Begeisterung anschloss 
und als der Erste bezeichnet werden muss, der die neue wissenschaft- 
liche Betrachtung der Dinge in das Gebiet der Kunst hineintrug. 
Nicht bloss über die Architektur verdanken wir ihm ein grundlegendes 
Werk, auch über die Malerei verfasste er einen Traktat, der zum 
ersten Male eine wissenschaftliche Begründung dieser Kunst anstrebt. 
Welch ein Umschwung der Anschauungen, wenn man diese 1435 
vollendete Schrift mit dem nicht lange vorher entstandenen Buche 
CenninYs vergleicht. Dort der vertrocknete Mechanismus einer lab- 
sterbenden Kunst, die sich in Mittheilung handwerklicher Recepte ge- 
nügt: hier das begeisterte Programm der Kunst einer neuen Zeit, die 
erfüllt ist vom Hauch des klassischen Alterthums, gesättigt von einer 
tiefen fast religiösen Schwärmerei für die Natur, vor allem aber, durch 
den Einfluss platonischer Lehren bestärkt, als höchstes Ziel die voll- 
kommene Wahrheit und Schönheit anstrebt. Hier ist der Punkt, von 
wo aus in die neue Kunstentwicklung die Resultate der humanistischen 
Studien als höchstes Lebenselement eindrangen. Am Ende der Epoche 
sollte dann der grosse Lionardo da Vinci die wissenschaftlichen und 
künstlerischen Bestrebungen in der wunderbaren Universalität seines 
Geistes zum Abschluss bringen. Üeberall ist es Wieder die machtvolle 
Grösse einzelner zu den leuchtenden Sternen der Menschheit gehörenden 
Persönlichkeiten, durch deren Eingreifen auch in der Kunst das Höchste 
erreicht wird. 
Keine Frage: im künstlerischen Leben sollte Italien das Ideal 
der Klassicität erreichen, welches im literarischen Schaffen durch den 
zu engen Anschluss an die antiken Vorbilder ausgeschlossen blieb. Es 
wurde das hohe Glück der Renaissancekunst, dass von den antiken 
Kunstwerken nur Trümmer, ,Bruchstücke, Einzelheiten erhalten waren. 
Genug, um die Phantasie mächtig anzuregen, um dem nachforschenden 
Geiste Anhaltspunkte zu bieten: nicht genug, um die künstlerische 
Schöpfungskraft durch vollständige Muster in Fesseln zu schlagen.
        

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