Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266616
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Buch. 
Frührenaissance. 
Die 
Schatten warf. Aberihm wie seinem Vorgänger im 12. Jahrhundert 
"war der Tod auf dem Scheiterhaufen beschieden (1498), und mit ihm 
erlosch für Jahrhunderte in Italien die Kraft, nach einer inneren Er- 
neuerung des religiösen Lebens zu streben. Hier tritt recht deutlich 
der Gegensatz romanischen und germanischen Wesens uns entgegen. 
Während in Deutschland das ganze Ringen des. Humanismus zuletzt 
sich in die grosse sittliche That der Reformation zusammendrängte, 
liess man in Italien alle ähnlichen Bestrebungen fallen und begnügte 
sich mit der Wiedergeburt der Antike und der höchsten Verklärung 
des sinnlichen Lebens in einer Neugestaltung der bildenden Künste, 
wie sie seit den Zeiten der Griechen nicht erlebt war. Die deutsche 
Reformation und die italienische Kunst der Renaissance sind die beiden 
Factoren, aus Welchen gemeinsam sich das Wunderbild einer geistigen 
Bewegung gestaltet, wie sie grösser die Welt nicht gesehen. 
Ehe wir aber zur Betrachtung dieser künstlerischen Entwicklung 
schreiten, haben wir uns weiter nach den Grundlagen umzuschauen, 
auf welchen dieselbe sich aufbaute. Hier tritt uns nun die zweite 
grosse Strömung der Zeit entgegen: neben der Hingabe an das klas- 
sische Alterthum der leidenschaftliche Zug zur Natur. Im Mittelalter 
hatte ein dichter aus Wahn und Vorurtheil aller Art gewobener Schleier 
den Menschen die Natur verhüllt. Die Kirche hatte mit allen Mitteln 
den Geist einzelner Forscher, die jenen Schleier zu lüften wagten, 
ilnterdrückt und die kühnen Bahnbrecher mit dem Scheiterhaufen be- 
straft. In Italien beginnt früher als anderswo die Reihe solcher Mär- 
tyrer der Wissenschaft, die wie im 13. Jahrhundert bereits Pietro von 
Abano und manche Andre als Aerzte durch Anschluss an die Bestre- 
bungen der Araber zu einer schärferen Beobachtung der Naturgesetze 
vordrangen. Selbst das anatomische Studium des menschlichen Körpers 
durch Seciren der Leichen war durch Kirche und Sitte streng verpönt. 
Man übertrug eine Anzahl einzelner unverständlicher und abgerissener 
Notizen aus dem Alterthum von Geschlecht zu Geschlecht, trug sie in 
Manuscripten, die als "Physiologus" bezeichnet wurden, zusammen und 
kam nie auf den Gedanken, durch eigene Beobachtung die märchen- 
haften Fabeln selbst über das Zilnächstliegende, über Thiere der eignen 
Umgebung zu berichtigen. Auf der. Natur lastete der Fluch, dass 
man, da das Walten ihrer Kräfte räthselhaft erschien, und die Gesetze 
derselben nicht einmal geahnt wurden, sie von Dämonen und Ge- 
spenstern erfüllt wähnte. 
Aber schon auf der Höhe des Mittelalters beginnt ein Umschwung,
        

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