Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266603
Kapitel. 
Die 
Frührenaissance. 
der italienischen 
Kultur 
243 
klassischen Zeit verglichen, sondern geradezu mit ihnen identifizirt 
werden, so dass etwa ein Francesco Sforza den Namen des Hannibal 
erhält; wenn Christus als der Beherrscher des Olympos, der päpstliche 
Stuhl als Thron des Olympischen Jupiter bezeichnet wird; wenn bei 
der Verkündigung Gabriels an die Madonna Mercur dem Erzengel 
nachschwebt, um an der Pforte zu lauschen und den versammelten 
Göttern Bericht zu erstatten; wenn Leo Battista Alberti ernsthaft die 
Frage erörtert, welchen Göttern man Tempel zu erbauen habe; wenn 
demgemäss auf einem Bilde Benozzo Gozzoli's in S. Gimignano der 
h. Sebastian als ngloriosissimus athleta" gepriesen wird; so sind das 
Alles Dinge, welche jener Zeit nicht bloss natürlich, sondern auch 
schön und poetisch erschienen, uns aber den Eindruck barocker Tra- 
vestie machen. 
Dass unter solcher Vermischung heterogener Vorstellungskreise 
die sittlich-religiöse Grundanschauung empfindliche Einbusse erleiden 
musste, liegt auf der Hand. Üeber die Frivolität und Obscönität vieler 
Humanisten sprachen wir schon. Mit ihr verband sich aber ein reli- 
giöser Indifferentismus und eine Skepsis, welche dem Christenthum 
verderblich werden musste. Vergessen wir aber nicht, wie die Kirche 
beschaffen war, von welcher sich nicht bloss die lockeren Spottvögel, 
sondern auch ernste sittliche Naturen mit Ekel abwendeten. Konnte 
man es geistvollen Männern verdenken, wenn das antike Heidenthum 
ihnen poetischer, idealer erschien als jener mittelalterliche Fetischdienst, 
der die Innerlichkeit der Christuslehre längst in ein unwürdiges Spiel 
mit äusserlichem Formelkram umgewandelt hatte, und die Phantasie 
der Menge mit den abgeschmackten Wundergeschichten der Legenden 
zu befriedigen suchte? Und wie es mit den äusseren Zuständen der 
Kirche aussah, das ist oft genug geschildert worden; mehr als alles 
mag allein der Hinweis auf jenes päpstliche Breve genügen, Welches 
den Geistlichen untersagte, Gast-, Spiel- und Bordellwirthschaften zu 
unterhalten. Wie indess die Gesinnung der Humanisten über kirch- 
liche Dinge sein mochte, die Kirche drückte gern darüber ein Auge 
zu, wenn nur nach Aussen kein Anstoss durch ketzerische Gesinnungen 
gegeben wurde. Dass es dennoch selbst in Italien von jeher tiefere 
Gemüther gab, welchen eine Reform der Kirche am Herzen lag, be- 
wies schon im 12. Jahrhundert Arnold von Brescia. Auch mitten in 
dem glänzenden Leben, welches das wiedererwachte Alterthum mit sieh 
brachte, erhob sich die gewaltige Gestalt des Bussepredigers Savonarola, 
der in die heitre Weltlust des mediceischen Florenz seinen düstern
        

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