Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266592
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Buch. 
Die 
Frührenaissance. 
Manetti berief er gegen einen Jahressold von 600 Saudi an den päpst- 
lichen Hof; Filelfo suchte er ebenfalls zu gewinnen, und als dieser 
nach Neapel reiste, um dem Könige Alfonso seine Satiren zu über- 
reichen, behielt der Papst ihn über eine Woche in Rom, um sich in 
den Genuss dieser literarischen Skandalgeschichten zu vertiefen. Für 
diesem Genuss schenkte er dem Dichter bei seinem Abschied einen 
Beutel mit 500 Dukaten. Guarino erhielt sogar für zwei Theile seiner 
Üebersetzung des Strabon 1000 Goldgulden. Der höchste Wunsch 
des Papstes aber war, eine würdige lateinische Uebertragung des 
Homer zu erhalten. Er hatte dafür Filelfo ausersehen, den er vom 
Herzog von Mailand losbitten und in Rom mit einem Wohleingerich- 
teten Hause und einem eintraglichen Landgute beschenken wollte. 
Ausserdem erbot er sich, die enorme Summe von 10,000 Zecchinen bei 
einem Banquier niederzulegen, die als Honorar bei Vollendung der 
Arbeit dem Uebersetzer zufallen sollten. Es war ihm aber bei der 
kurzen Dauer seines Pontifikats nicht beschieden, diesen höchsten lite- 
rarischen Wunsch seines Lebens verwirklicht zu sehen, ebensowenig 
als seine grossartigen Baupläne über die blossen Anfange hinaus- 
kommen sollten. 
Wenn man von vornehmen Passionen spricht, so hat nie eine 
Zeit edlere gehabt als die Epoche der Renaissance. Nie dürfen wir 
vergessen, dass wir dem opferfreudigen Enthusiasmus jener Männer 
das Meiste verdanken, dessen wir uns heute von klassischer Literatur 
erfreuen. Namentlich wäre gewiss beim Hereinbrechen der türkischen 
Barbarei über Constantinopel der grösste Theil der griechischen Autoren 
untergegangen, wenn nicht vorher schon durch den Eifer der italie- 
nischen Humanisten so Vieles gerettet worden wäre. Was die eigene 
schöpferische Thätigkeit jener Gelehrten betrifft, die sich zugleich als 
Dichter, Philosophen, Geschichtsschreiber auszeichnen zu können glaubten, 
so werden darüber die Ansichten vielleicht getheilt sein. Sehr Vieles 
erscheint uns nur als Schulexercitium geistreicher Männer, das damals 
den Kreis der Gelehrten und Gebildeten mit Entzücken und Bewunde- 
rung erfüllte. Ohne Frage findet sich darunter manches Treffliche, 
das auch jetzt noch dem tiefer Eindringenden von Vverth ist; im 
Ganzen aber wird man es doch begreiflich Enden, dass diese Literatur 
heute nur noch den Historiker fesselt." Am meisten stösst uns sowohl 
in den poetischen als in den geschichtlichen Werken die naive Ver- 
mischung des Modernen, Christlichen mit dem antik Heidnisehen ab. 
Wenn die Helden des 15. Jahrhunderts nicht etwa mit denen der
        

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