Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263985
K api tel. 
Epoche. 
A] tchristlich e 
schwächt, so dass selbst die Italiener die ilandrischen und deutschen 
Bilder frömmer fanden als die eignen; denn der religiösen Anschauung 
des Christenthums ist ein höchstes Maass von Schönheit widerstrebend, 
und Gestalten einer gewissen hülfsbedürftigen Schüchternheit, wie sic 
auf den nordischen Bildern uns begegnen, sprcchcn dic christliche 
Empfindung inniger an, als ein schönheitstrahlendes Geschlecht, das 
in antiker Herrlichkeit auf sich selber ruht. Dennoch ist nicht zu 
verkennen, dass durch jene Verbindung des Christlichen mit der Natur 
und der Antike, sowie durch die Verschmelzung des Malcrischcn mit 
dem Architektonischcn und Plastischen eben jenes Schweben in der 
Höhe idealer Schönheit entsteht, welches in den Meisterschöpfungen 
italienischer Malerei als zauberhafte Verklärung des Irdischen uns be- 
rührt und uns aus den dumpfen Schranken der Wirklichkeit weihevoll 
zum Höchsten erhebt. 
Dass es der italienischen Malerei vor allen beschieden war, zu 
dieser Entfaltung zu gelangen, iindet seine tiefere Erklärung in der 
Natur des Landes und Volkes, als deren feinste Blüthe wir die Kunst 
zu betrachten haben. Nicht gleichgültig ist es für die künstlerische 
Entwicklung, ob ein rauhes Klima mit nordischen Nebeln oder ein süd- 
licher Himmel mit seinem goldnen Sonnenschein sie trägt. Italien mit 
seiner reichen Bodengliederung, den plastisch schönen Gebirgszügen, 
den wonnigen Gestaden am tief leuchtenden Meere, der üppigen Trieb- 
kraft und Mannigfaltigkeit vegetativen Lebens, alles Das durch die 
Klarheit der Lüfte dem Auge in den feinsten Uebergangen, den zar- 
testen Spielen von Form und Farbe entgegengebracht, ist der Aus- 
bildung des künstlerischen Sinnes in hohem Grade günstig. Mit 
Griechenland theilt es den Vorzug der gemässigten Zone, eben so fern 
von der rauhen Dürftigkeit des Nordens wie von der überschwäng- 
lichen Ueppigkeit der Tropen, dem Menschen eine Existenz zu ge- 
währen, in der er weder durch Inühvolles Ringen von einer feindlichen 
Natur die Grundbedingungen des Daseins ertrotzen muss, noch durch 
das Uebermaass der Gaben verweiehlieht und erschlafft wird. Daher 
in beiden Ländern die Stätten höchster Kunstenttaltung. Denn die 
lautersten Schöpfungen des Menschengeistes verlangen eine Freiheit der 
Seele, die nicht beständig durch quälende Sorgen nicdergezogen wird; 
das (l-emüth muss unbehindert im reinen Aether des Idealen schweben, 
Wenn es die ewigen Machte des Gedankens zu hehren Gebilden ge- 
stalten soll. 
Unter diesen günstigen Bedingungen hat sich dort 
ein Volksstamm
        

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