Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266585
1. Kapitel. 
Frührenaissance. 
der italienischen 
Kultur 
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lhiumphbogen, errichtet zum Andenken seines siegreichen Einzugs 
in die eroberte Stadt, den er wie ein antiker Imperator auf vergo]- 
detem Triumphwagen hielt. Die angesehensten Humanisten, einen 
Valla, Beccadelli, Facitis Wusste er an seinen Hof zu fesseln, dessen. 
üppiger Glanz und verschwenderisches Leben wundersam mit der 
Lectüre des Seneca und Livius, sowie der Bibel durchllochten war. 
Trotz der Zerrüttung seiner Finanzen war Alfonso nicht 101035 auen 
sinnlichen Freuden, sondern auch ernsten literarischen Bestrebungen 
mit ungetheiltem Interesse zugethan. Als Freund der Dialektik liebte 
er es, philosophische nnd theologische Disputationen zu veranstalten 
und sich gelegentlich selbst dabei einzumischen. Oft begab er sich 
zu Fuss in die Hörsäle der Gelehrten, um ihren Vortragen zu lauschen. 
Antike Münzen und Medaillen sammelte er und erfreute sich an ihrer 
oftmaligen Betrachtung. 
Noch entscheidenderwar es, dass durch Nicolaus V. der Huma- 
nismus selbst im Vatikan seinen Einzug hielt. Wie dieser hochge- 
bildete Papst als Bücherfreund der eigentliche Begründer der vati- 
kanischen Bibliothek geworden ist, hörten Wir schon. Wie freisinnig 
der Statthalter äChristi und Nachfolger Petri über den Vorurtheilen 
seiner Zeit stand, beweist wohl nichts so schlagend, als dass Lorenzo 
Valla trotz seiner vernichtenden Schrift über die angebliche Constan- 
tinische Schenkung an den römischen Hof berufen wurde. Auch Poggio 
hinderte seine weltbekannte Leichtfertigkeit nicht, unter acht Papsten 
der römischen Curie zu dienen. Die reichen Erträgnisse des Jubel- 
jahres von 1450 wurden von dem humanistisch gesinnten Papst völlig 
zur Befriedigung seiner beiden Leidenschaften für Bücher und Bauten 
verwendet. Gewaltig War der Plan, die ganze leoninische Vorstadt zu 
einer befestigten Burg des Papstthurns zu gestalten, den vatikanischen 
Palast neu zu erbauen und selbst den Dom von St. Peter im Sinne 
des klassischen Alterthums zu erneuern. Der grosse Theoretiker und 
Baumeister Leo Battista Alberti wurde nach Rom berufen, um dabei 
mitzuwirken; andre F lorentiner wie Bernardo und Antonio Rossellini 
und Baccio Pontelli führten die in ihrer Heimath neu erstandene klas- 
sische Baukunst nach der ewigen Stadt zurück. Alberti durfte dem 
Papst sein berühmtes Buch über die Architektur überreichen, den 
ersten Versuch einer wissenschaftlichen Begründung der neu erstan- 
denen Baukunst. Wichtig war dem Papst besonders, Uebersetzungen 
der griechischen Autoren zu erlangen. Mit eigner Hand schenkte er 
dem Lorenzo Valla für seinen lateinischen Thukydides ÖOO Scudi. Den 
Lübke, Italien. Malerei. I. 1G
        

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