Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266562
Kapitel. 
der italienischen Frührenaissance. 
Kultur 
Die 
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dem er längere Zeit als Abschreiber gedient hatte, ausgezeichnet durch 
ein merkwürdiges Gedachtniss, welches ihn die zwölf Eklogen seines 
Meisters in elf Tagen auswendig lernen liess. Ihm verdanken wir die 
erste Ordnung und Herausgabe der unabsehbaren Reihe von Petrarca.'s 
familiären Briefen. Der Schule seines Meisters entwachsen, machte er 
sich auf die Wanderschaft und wurde zuerst Kanzler am Hofe von 
Carrara, denn fortan wurde es allgemeine Sitte, für die Abfassung der 
Staatsschriften gelehrte Humanisten zu gewinnen, damit jedes Akten- 
stück den Stempel ciceronianischer Latinität trage. Dann lehrte er 
abwechselnd in Padua, Venedig, Florenz nnd anderen Städten, erklärte 
den Cicero und die römischen Dichter, und weckte überall den Sinn 
für das klassische Alterthum, für Welches er seine Schüler wunderbar 
zn entflammen wusste. In Florenz sassen Carlo Marzuppini, Lionardo 
Biruni, Poggio, Traversari, Palla de' Strozzi und Roberto de' Rossi zu 
seinen Füssen, so dass man ihn den Vermittler zwischen Petrarca und 
der jüngeren Schule nennen kann. Wie die angesehensten, durch 
Bildung und Lebensstellung hervorragenden Männer reiferen Alters 
im Wetteifer mit der Jugend sich ium die Lehrkanzeln dieser Huma- 
nisten drängten, hat uns auf's Anziehendste Benozzo Gozzoli in dem 
schönen Fresko zu S. Gimignano erzählt, das den h. Augustinus 
lehrend darstellt, in Wahrheit aber die treue Schilderung eines damaligen 
humanistischen Hörsaales ist. Nicht minder wichtig war Manuel Chry- 
soloras, als der erste Grieche, der in Italien als Lehrer auftrat. Vom 
byzantinischen Hofe nach Italien geschickt, um :Hülfe gegen die 
Türken zu heischen, war er zwar in seiner politischen Mission un- 
glücklich, hatte aber um so grössere Erfolge als Lehrer, da er dem 
Heisshunger der Italiener nach Kenntniss der griechischen Sprache 
genügen konnte. Florenz berief ihn unter bedeutenden Anerbietungen, 
Alles strömte in seine Vorlesungen, und von da ab begann das seit 
Jahrhunderten erstorbene Studium der griechischen Literatur in Italien 
wieder heimisch zu werden. Auch in Rom, Padua, Mailand, Venedig 
lehrte er, und endlich begab er sich als Dolmetsch auf das Concil von 
Constanz, wo er 1415 starb und bei den Dominikanern beerdigt wurde. 
Zu den einflussreichsten Lehrern gehörte sodann Guarino von 
Verona, der zuerst nach Florenz berufen wurde, dann aber am Hofe 
von Ferrara eine feste Stellung fand. Hier wirkte er nicht bloss als 
Erzieher des Erbprinzen, sondern auch an der Hochschule als Lehrer, 
zu welchem von allen Seiten eine solche Schaar von Schülern strömte, 
dass man von ihm sagte, aus seiner Schule seien mehr gebildete Männer
        

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