Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266548
Kapitel. 
Kultur 
Die 
italienischen Frührenaissance. 
der 
237 
ihm gegründete Badia bei Fiesole ebenfalls mit einer Bibliothek aus- 
statten wollte und doch keine Möglichkeit sah, die Bücher alle zu 
kaufen, bestellte er 45 Abschreiber, welche in 22 Monaten eine Biblio- 
thek von 200 Bänden herstellten. Für solche Ausgaben war die medi- 
ceische Bank stets auf's Freigebigste zur Verfügung. Auch die alle 
Länder umfassenden Handelsverbindungen des mediceischen Hauses 
wurden benutzt, um werthvolle Manuscripte aus der Ferne herbeizu- 
schaffen. An allen Fürstenhöfen, in allen vornehmen Familien entstand 
ein Wetteifer in Erwerbung von Büchern, kein gebildetes Haus wollte 
ferner ohne eine Bibliothek sein. 
Die deutsche Erfindung der Buchdruckerkunst, welche für Deutsch- 
land von so hoher Bedeutung ward und sich als mächtige Bundes- 
genossin der Reformation erwies, war für Italien und sein Verhaltniss 
zum Humanismus bei Weitem nicht so durchgreifend. Denn der 
bürgerlichwolksthümlichen Bewegung in Deutschland gegenüber trug 
hier die neue wissenschaftliche Richtung einen überwiegend exklusiv- 
aristokratischen Charakter, und als zuerst Sweynheim und Pannarz 
1464 die Kunst des Bücherdrucks nach dem Kloster Subiaco und dann 
nach Rom, Johann von Speyer sie 1469 nach Venedig übertrug, war 
der Sieg des Humanismus langst entschieden. Wohl wurde nun Venedig 
durch Aldus Manutius und den Florentiner de' Giunti der Vorort für den 
italienischen Buchdruck und Buchhandel und trug zur weiteren Ver- 
breitung der antiken Klassiker durch die musterhaft typographisch 
hergestellten Ausgaben wesentlich bei: allein es fehlte nicht an Bücher- 
freunden, welche mit einer gewissen Verachtung auf solche gedruckte 
Werke herabsahen und in ihren Bibliotheken nur geschriebene Codices 
duldeten. Der Werth der Bücher stand im Verhältniss zu den Mühen, 
Schwierigkeiten und Üpfern, mit Welchen man sich dieselben ver- 
schafft hatte.  
In grossartiger Weise betrieb der ehemalige mediceische Bücher- 
wart diese Tendenzen, als er auf den päpstlichen Stuhl gelangt war. 
Er hatte seine eignen Agenten, die mit der Macht des päpstlichen An- 
sehens ausgerüstet durch die Länder zogen, um Bücher aufzutreiben. 
Bis in den skandinavischen Norden reichten diese Missionen. Nicht 
minder liess er in Griechenland und Kleinasien eine grosse Anzahl 
griechischer Klassiker aufkaufen; überall hatte er eine ganze Anzahl 
von Schreibern zum Kopiren von Manuscripten und so wurde er der 
eigentliche Begründer der vatikanischen Bibliothek, die bei seinem 
 Tode auf 5000, von Andern sogar auf 9000 Bände angeschlagen wurde.
        

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