Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Italienischen Malerei vom vierten bis ins sechzehnte Jahrhundert
Person:
Lübke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1263451
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1266489
Kapitel. 
Die Kultur 
italienischen Frührenaissance. 
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kirchlichen Stellung in Ausgleich zu setzen wusste. Sein Schüler war 
Giannozzo Manetti, der mitfRoberto de' Rossi, Rinaldo degli Albizzi, 
Palla de' Strozzi und andren zu den ersten aus altadligen ilorentiner 
Geschlechtern gehörte, welche sich den humanistischen Studien hin- 
gaben. Erst mit 25 Jahren war er zur Erlernung des Lateinischen 
gelangt; aber um so grösser war sein Eifer, so dass er sich nur fünf 
Stunden Nachtruhe gönnte, um unausgesetzt den Studien zu leben. 
Ferner gehörte zu diesem Kreise Lionardo Bruni aus Arezzo, der sich 
durch seine Uebersetzungen griechischer Klassiker hohes Verdienst 
erwarb, und nachmals die Stelle des Staatskanzlers in Florenz bekleidete. 
Oft kamen angesehene Fremde, Franzosen und selbst Spanier nach 
Florenz, um den berühmten Mann nur von fern bewundern zu können, 
wenn er ernst und majestätisch in seinem langen rothen Mantel durch 
die Strassen schritt. Sein Nachfolger im Staatssekretariat war Carlo 
Marzuppini, ein Mann von völlig antiker Gesinnung, dem trotz seines 
offenkundigen Heidenthums, in welchem er Beichte und Abendmahl 
verschmähte, gleich seinem Vorgänger auf der Todtenbahre noch die 
Ehre der Lorberkrönung und die Bestattung in Santa Croce, dem 
Panlheon florentinischen Ruhmes, zu Theil ward. Beide erhielten, 
jener durch Bernardo Rossellino, dieser durch Desiderio da Settignano, 
jene herrlichen Grabmaler, in welchen die Feinheit und Anmuth antiker 
Ornamentik mit der grossartigen Energie florentinischer Charakteristik 
sich harmonisch verbindet. 
Vor Allem sind dann die Mediceer selbst zu nennen, voran der 
grosse Cosimo, dem man mit Recht den Ehrennamen „Vater des Vater- 
landes" gab, ein Mann von antiker Hoheit der Gesinnung. Seitdem 
er 1434 aus der Verbannung zurückgekehrt war, herrschte er, mäch- 
tiger und ungefahrdeter als einst Perikles über Athen, über die schöne 
Arnostadt, die durch ihn hauptsächlich ein zweites Athen, ein Wunder 
höchster Kulturblüthe in WVissenschaften und Künsten wurde. Das 
fürstengleiche Vermögen, das ihn zum reichsten Privatmann Italiens 
machte  sein Vater Giovanni hatte bei seinem Tode 1428 bereits 
ein Vermögen von 180,000 Goldgulden hinterlassen, sein Bruder Lo- 
1'6I1Z0, der 14:40 starb, hinterliess allein über 235,000 Gillden  ver- 
wendete er zum öifentlichen Besten, als wären es Staatsgelder, die ihm 
zur Verwaltung anvertraut wären. Nie ist ein Privatvermögen mit so 
hohem Sinn für die öffentliche Wohlfahrt, für Förderung der höchsten 
geistigen Interessen in Wissenschaft, Literatur und Kunst verwendet 
worden. In Cosimo lebte jener mächtige Monumentalsinn, das schönste
        

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